Plogging wurde in Schweden erfunden

Bei diesem Lauftrend wird alles sauber: Plogging erreicht die Region

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Schon beim ersten Mal hatte sich das Plogging gelohnt: Die Kasseler Greenpeace-Aktivisten (von links) Thomas Preske, Margareta Malmgren-Köller, Tina Fox, Monty Schmidt und Annika Hoppe nach ihrer Müllsammelrunde Ende Juni in der Innenstadt.

Der neueste Lauftrend kommt aus Schweden und heißt Plogging: Sportler räumen beim Training Müll auf. Greenpeace veranstaltet in Kassel regelmäßig solche Laufrunden. Aber ist das sinnvoll?

Normalerweise werfen Läufer Sachen weg. Nach dem Kassel-Marathon zum Beispiel liegen tausende benutzte Getränkebecher auf der Strecke. Doch nun heben immer mehr Ausdauersportler Müll auf. Plogging heißt der Lauftrend aus Skandinavien, der gerade die Region erreicht und ganz simpel ist: Zur Trainingsrunde nimmt man eine Mülltüte mit und sammelt weggeworfene Coffee-to-go-Becher, Plastikverpackungen und sogar Zigarettenstummel auf.

Margareta Malmgren-Köller kennt Plogging schon länger. Die Kasseler Greenpeace-Aktivistin stammt aus Schweden, wo der Sport erfunden wurde. Der Name setzt sich aus Jogging und Plocka zusammen, dem schwedischen Wort für Aufsammeln. Am Montag veranstaltet Malmgren-Köller mit der Kasseler Greenpeace-Gruppe die zweite Plogging-Runde in Kassel. Bei Facebook haben sich bereits zwei Dutzend Hobbysportler gemeldet, die mitmachen wollen.

Fürs Ploggen muss man kein austrainierter Marathonläufer sein. Es reichen Spaß an der Bewegung und die Bereitschaft, etwas Gutes für die Umwelt zu tun. Als "nette Abwechslung für entspanntere Läufe", beschreibt es die Autorin Ela Wildner, die im Frühjahr unter anderem an der Kasseler Grimmwelt Müll sammelte und über ihre Erfahrung einen Text für das weltgrößte Laufmagazin "Runners World" schrieb. Sie lobte den Trainingseffekt, weil man zum Aufheben ständig Kniebeugen machen muss, fand aber schwer ihren Laufrhythmus. Hier und da registrierte Wildner "verwunderte Blicke von Menschen, die mir begegnen."

Ähnlich ging es auch den sechs Greenpeace-Läufern bei ihrer ersten Runde Ende Juni. In der einen Hand hielten sie einen Müllsack, in der anderen einen Handschuh. Denn ein bisschen eklig kann es schon sein, den Dreck von anderen wegzumachen. Einwegkaffebecher, Plastiktüten und Strohhalme machten bei der Premiere einen Großteil des Mülls aus. Vor allem rund um die Orangerie wurden die laufenden Umweltschützer fündig, sagt Alexander Büttner von Greenpeace. Viele Leute schmeißen ihren Abfall selbst dann einfach ins Grüne, wenn in der Nähe ein Mülleimer ist.

Start für die zweite Runde am Montag ist um 17.15 Uhr an der Brücke am Auebad. Von dort geht es in die Buga. Die Umweltschützer haben lange überlegt, ob das Naherholungsgebiet rund um den Badestrand der richtige Ort ist. Dort liegt erfahrungsgemäß besonders viel Müll. "Wir sind ja nicht die Aufräumgruppe für der Buga", lautete ein Argument. Letztlich haben sich die Greenpeace-Leute doch dafür entschieden, denn man kommt mit vielen Leuten ins Gespräch.

Es bleibt grundsätzlich die Frage, ob es sinnvoll ist, den Abfall von anderen wegzuräumen, ehe der öffentliche Raum am nächsten Tag wieder zugemüllt wird. Aber was wäre die Alternative? Darum ist Plogging nicht nur in Schweden ein Trend. Auch in deutschen Städten sammeln immer mehr Läufer regelmäßig Müll - etwa in Bonn. Auch in Kassel wollen die Greenpeace-Aktivisten ihre Laufschuhe regelmäßig für den guten Zweck schnüren.

Bei ihrer ersten Trainingseinheit haben sie einen Mann sogar besonders glücklich gemacht. Am Ziel vor dem Umwelthaus in der Wilhelmsstraße trafen sie einen Mitarbeiter der Stadtreiniger, dem sie ihren Fund überreichten. Der sagte: "Vielen Dank für die Arbeit."

Plogging am Bugasee: Montag, 23. Juli, 17.15 Uhr, Brücke am Kasseler Auebad, Audeamm 21.

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