Auf dem Gelände der ehemaligen Jägerkaserne soll Spionage betrieben worden sein

Auf diesem Gelände in Kassel soll Spionage betrieben worden sein

Kassel. Von außen sieht es aus wie ein ganz normales in die Jahre gekommenes Kasernengebäude. Hinter den dicken Mauern und den getönten Panzerglasscheiben des Empfangsbereichs verbirgt sich aber ein Geheimnis.

Lesen Sie auch

Die Nazi-Vergangenheit des BND: Auch Spuren nach Kassel

Hier wurde unter strengen Sicherheitsvorkehrungen über viele Jahre der Funkverkehr des früheren Ostblocks und insbesondere der in der DDR ausgewertet. Mitten in Kassel, auf dem Gelände der ehemaligen Jägerkaserne an der Bosestraße (Südstadt).

Das geht aus Unterlagen hervor, die im Zusammenhang mit Untersuchungen zur Geschichte des Bundesnnachrichtendienstes (BND) jetzt beleuchtet werden. Dabei geht es um die Nazi-Vergangenheit führender Köpfe des 1946 unter US-Führung gegründeten Auslandsnachrichtendienstes.

In dieser Zeit hatten die Amerikaner auch einen Stützpunkt auf dem Gelände der Jäger-Kaserne. „Es gab damals schon einen Lauschposten“, sagt Werner Dettmar (83). Der Mann, der wie kein anderer die Geschichte Kassels in den Kriegsjahren erforscht hat, war als junger Mann in der Bibliothek der amerikanischen Soldaten als Hilfskraft angestellt.

 Aus Gesprächen mit den Soldaten erfuhr er auch, wozu die auffällig hohen Antennen auf dem Gelände an der Bosestraße gebraucht wurden. Damit könne man den Funkverkehr jedes Taxis in Berlin mithören, wurde erzählt. Und nicht nur das, vermutete Werner Dettmar schon damals. Die Einheit der Amerikaner sei später nach Rothwesten verlegt worden, erinnert er sich.

Später soll an der Bosestraße das Material ausgewertet worden sein, das über die Lauschantennen auf dem Hohen Meißner gesammelt wurde. Der früher schwer gesicherte Gebäudkomplex auf dem höchsten Punkt des ehemaligen Kasernenareals hatte den Tarnnamen „Heckenrose-Kurfürst“. Unter diesem Namen kennt ihn heute auf dem Gelände niemand.

Beim heutigen Besitzer der Liegenschaft und den Anwohnern drumherum ist ein anderer Begriff geläufig: Das MAD-Haus. Die Abkürzung steht für militärischer Abschirmdienst. Der MAD ist neben BND und Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV ) einer der drei Nachrichtendienste des Bundes.

Von dem Panzerglas und den auffallend vielen Kabeln als Indizien für die Vergangenheit des Kasernengebäudes wird bald nichts mehr zu sehen sein. Die Immovation AG, die auf dem Nachbargrundstück bereits mehrere Stadtvillen baut, hat das Gebäude gekauft. Nach Angaben von Dieter Göhlich von Immovation soll es entweder komplett entkernt oder abgerissen werden.

Eine Entscheidung darüber falle im Sommer. Die Tendenz gehe eher in Richtung Abriss. Das Grundstück in direkter Nachbarschaft zum Schlösschen Schönfeld biete sich für den Bau weiterer Stadtvillen an.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.