Platz 15 deutschlandweit

Laut aktueller Studie: Kassel bleibt Hochburg der Ladendiebe

Kassel. In Kassel ist auch im Jahr 2015 verhältnismäßig viel gestohlen worden. Das geht aus einer aktuellen Studie des Preis- und Produktvergleichsportals billiger.de hervor.

Das Portal hat den „Volkssport“ Ladendiebstahl in den 100 größten deutschen Städten sowie 40 Landkreisen verglichen. Laut Studie, die auf der Kriminalstatistik der Polizei basiert, wurden 2015 in Kassel 1897 Diebstähle registriert. Das sind 974 pro 100.000 Einwohner. Demnach landet Kassel auf Platz 15 der deutschen Städte, in denen pro Kopf am meisten gestohlen wird. Flensburg, Saarbrücken und Dortmund liegen auf den Plätzen eins bis drei.

Die Kasseler Kriminalstatistik 2015.

Im Jahr 2014 war Kassel im Langfinger-Ranking sogar auf Platz 10, obwohl damals die Zahl der absoluten Diebstähle mit 1796 angezeigten Fällen geringer war. Laut Studie sind aber 2015 bundesweit die Diebstähle auf 369.465 angezeigte Fälle gestiegen. Das sind fast sieben Prozent mehr als im Jahr 2014.

Dennoch stellen diese Zahlen offenbar nur die Spitze des Eisbergs dar: In der Studie heißt es, dass über 90 Prozent der Diebstähle gar nicht angezeigt werden. Experten schätzten, dass in Deutschland pro Jahr bis zu 26 Millionen Straftaten begangen werden. Während die Polizei von einem Schaden in Höhe von 31,5 Millionen Euro für 2015 ausgeht, schätzt der Einzelhandel den Schaden auf jährlich bis zu vier Milliarden Euro.

Zahl der aufgedeckten Ladendiebstähle nimmt ab

Engin Akbag, Geschäftsführer des Kasseler Sicherheitsunternehmens Protex, bestätigt, dass die Diebstähle von 2014 zu 2015 in der Stadt zugenommen haben. In den von Protex betreuten Unternehmen sei die Zahl um etwa 25 Prozent gestiegen. Die Läden hätten daraufhin viel investiert und auch die Stunden der Sicherheitskräfte um fünf Prozent erhöht. Das habe zur Folge gehabt, dass 2016 die Zahl der aufgedeckten Ladendiebstähle wieder um acht Prozent zurückgegangen sei.

Engin Akbag geht davon aus, dass 80 bis 90 Prozent aller Ladendiebe nicht erwischt werden. Es zahle sich aber aus, wenn die Unternehmen in die Überwachung investierten. Dadurch gingen die Ladendiebstähle zurück.

Viele Ausländer unter den Tätern

Durch die riesige Dunkelziffer sei aber auch nur ein begrenzter Blick auf die Täter möglich, heißt es in der aktuellen Studie von billiger.de. Fakt sei nur, dass im Jahr 2015 nur 57 Prozent aller bundesweit ermittelten Tatverdächtigen ihren Wohnsitz in Deutschland hatten.

Laut Studie stammten 24 Prozent der Tatverdächtigen aus Ost- und Südosteuropa (unter anderen Rumänien, Polen, Albanien, Serbien und Kosovo). Gefasste Diebe aus Nordafrika, dem Maghreb (wie Algerien, Tunesien, Ägypten) und der Levante (wie Syrien, Libanon, Israel, Jordanien und Irak) machten weitere sechs Prozent aus.

Offene Grenzen

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Organisierte Banden würden immer mehr zu einem Problem. Die offenen Grenzen des Schengener Abkommens sorgten dafür, dass diese Tätergruppen ohne Probleme einreisen und wieder verschwinden können.

Für Kassel sehen die Zahlen ähnlich aus. 42,5 Prozent der erwischten Ladendiebe im Jahr 2015 stammten nicht aus Deutschland.

Statistik für 2016 steht noch aus

Die Kriminalstatistik für 2016 wird erst im Laufe dieses Monats veröffentlicht. Nach Angaben von Polizeisprecher Torsten Werner bewege sich die Anzahl der registrierten Delikte aber auf dem Niveau von 2015. „Es gibt keine signifikanten Änderungen“, sagt Werner. Das gelte auch für den Anteil der nichtdeutschen Ladendiebe, die 2015 um die 42 Prozent der Verdächtigen ausmachten.

Der Polizeisprecher macht darauf aufmerksam, dass es sich bei Diebstahl um ein typisches Kontrolldelikt handelt. Das bedeutet: Ein Täter wird nur dann erwischt, wenn es auch entsprechende Kontrollen gibt. Deshalb hängt die Zahl der registrierten Diebstähle auch von der Anzahl der Detektive und der Technik in den Kaufhäusern ab.

Die Interessen der Langfinger sind breit gestreut. Laut Studie hatten sie es im Jahr 2015 unter anderem auf Parfüms, Kosmetik, Spirituosen, Tabakwaren, Kleidung, aber auch scheinbar schnöde Alltagsprodukte wie Rasierklingen oder Brillen, Modeschmuck, Speicherkarten, Spielzeug, Süßigkeiten, Smartphones und Schuhe beziehungsweise Turnschuhe abgesehen.

Lesen Sie dazu auch:

- Die gesamte Kriminalstatistik der Hessischen Polizei für das Jahr 2015 (51-seitiges pdf-Dokument)

Rubriklistenbild: © dpa

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