Teilweise fast jeder dritte Erwachsene überschuldet

Leben auf Pump: Kasseler sind regionale Schulden-Spitzenreiter

Kassel. Der wirtschaftliche Aufschwung und die gesunkene Arbeitslosigkeit in Kassel haben bisher nicht zu einem Rückgang der privaten Schulden geführt. Nach jüngsten Zahlen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform leben die Kasseler in unverändert hohem Maße auf Pump.

Jeder sechste erwachsene Einwohner gilt demnach als überschuldet. In Kassel-Mitte sowie im Raum Nordstadt / Rothenditmold ist es fast jeder Dritte, der seine Rechnungen nicht zahlen kann.

Mit einer Schuldnerquote von 16,32 Prozent ist die Stadt Kassel das Schlusslicht im regionalen Vergleich. Demgegenüber hat der Landkreis Kassel mit 9,06 Prozent die geringste Schuldnerquote aller nordhessischen Landkreise. In Stadt und Kreis Kassel gelten laut Creditreform insgesamt 44.100 Menschen als nachhaltig überschuldet.

Das besonders starke Stadt-Land-Schuldengefälle im Raum Kassel resultiert daraus, dass die kreisfreie Nordhessenmetropole – anders als ähnlich große deutsche Städte – kein eigenes ländliches Umland hat.

Besserverdienende zieht es eher in idyllische Umlandgemeinden, während sich Armut und Schulden in der Stadt konzentrieren – bei dieser Faustregel werde es trotz des derzeitigen Ansturms auf den Kasseler Wohnungs- und Immobilienmarkt noch eine ganze Weile bleiben, meint Sebastian Schlegel, Geschäftsführer von Creditreform in Kassel: „Wir erwarten da keine baldige Änderung.“

Im vergangenen Jahrzehnt hat sich die Arbeitslosigkeit im Stadtgebiet nahezu halbiert, über 6000 Jobs sind seither in Kassel entstanden. Der Aufschwung habe mit Blick auf die Lage privater Schuldner aber auch eine Kehrseite, sagt Schlegel. Zunehmend trauten sich Verbraucher zu, Konsumwünsche notfalls auf Kredit zu finanzieren: „Die Bereitschaft zum Schuldenmachen steigt.“ Mehr Geld in der Haushaltskasse werde häufig in Anschaffungen umgesetzt, statt vorhandene Schulden abzubauen.

Von Axel Schwarz

Rubriklistenbild: © dpa

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