Betroffener äußert Vorwurf arglistiger Täuschung

Ärger um Schimmel: Wohnstätten 1889 vermieten belastete Wohnungen

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Joachim Rhode kocht vor Wut: Der Grund für den Schimmel in seiner Wohnung sieht er in der schlechten Bausubstanz des Gebäudes.

Kassel. Offenbar seit Jahren vermietet die Vereinigte Wohnstätten 1889 mit Schimmel belastete Wohnungen, ohne das Problem wirklich in den Griff zu bekommen. Ein Mieter kocht vor Wut.

Betroffen sind Gebäude am Eichholzweg am Brasselsberg. „Wir wissen, dass es den Schimmel zumindest in den Erdgeschosswohnungen und Kellern der Häuser 1, 1a und 1b gibt“, sagt Joachim Rhode als Betroffener.

Rhode hat seine Geduld mit den Wohnstätten 1889 längst verloren. Er hat bereits einen unabhängigen TÜV-Gutachter bestellt und will Anzeige erstatten – wegen arglistiger Täuschung, Betrugs und vorsätzlicher Körperverletzung.

Hier gibt es Informationen und Hilfe: www.schimmelwohnung.com

„Als ich hier im August einzog, war die ganze Wohnung frisch gemacht“, sagt Rhode. Erst später bemerkte er flächige Schimmelherde in der Küche. „Sie waren durch die frische Farbe gekrochen.“ Er erkundigte sich bei Nachbarn. Und auch die bestätigten das Schimmelproblem. Jörg Kleinfeld, der nebenan wohnt, hat Rhodes Wohnung gesehen, bevor sie von ihm bezogen wurde. „Überall war Schimmel, in fast jedem Zimmer. Schon Rhodes Vormieter, eine Familie mit Kind, ist wegen des Schimmels ausgezogen“.

Der Schimmel sei bekämpft und anschließend mit Tapete und weißer Farbe übertüncht worden. „Jetzt, fast vier Monate später, kommt der Schimmel wieder durch“, sagt Rhode. Für ihn ist das Betrug.

Und vorsätzliche Körperverletzung – denn er hat einen schweren Pflegefall in seiner Wohnung zu versorgen. Seine Freundin liegt im Wachkoma und muss in sauberer Umgebung rund um die Uhr betreut werden. „Die 1889 habe ich auf diesen Umstand hingewiesen“, sagt Rhode. Doch sei vor Vertragsschluss das Schimmelproblemen nicht benannt worden. „Ich wurde getäuscht.“

Schimmelbefall bestätigen auch andere Mieter. „Auch ich hatte schon Schimmel auf Matratzen“, sagt Heike Friesdorfova, die im Haus 1 wohnt. Seither sei ihre siebenjährige Tochter laufend krank – Husten, Bronchitis, Hautausschlag, Kopfschmerzen.

Bei ihr das gleiche Spiel: „Als wir 2010 einzogen, waren keine Tapeten an den Wänden, der Putz war abgekratzt“, sagt Friesdorfova. Dann sei alles renoviert worden, „und sechs Monate danach war der Schimmel da“. Damals habe ihr die 1889 Lüftungsfehler vorgeworfen. Es wurde erneut renoviert – „jetzt kommt das Zeug langsam wieder.“

„Wir wollen niemanden im Schimmel leben lassen“, sagt 1889-Vorstand Uwe Flotho – offensichtlich überrascht über die heftige Reaktion der betroffenen Mieter. Man werde nun ein unabhängiges Umweltlabor und einen Sachverständigen zur Klärung der Ursache bestellen. „Wir brauchen Klarheit in jeder Hinsicht. Dazu gehört auch, ob es sich wirklich um Schimmel handelt“, sagt Flotho. Möglicherweise könne auch schlechte Bausubstanz die Ursache sein. „Wenn dem so ist, werden wir Mängel beseitigen und sanieren.“

Von Boris Naumann

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