Erinnerung an Weltmeister von 1954

Horst Eckel in der JVA Kassel – seine Lebensfreude war ansteckend

Horst Eckel in der Sporthalle der JVA Kassel I im Jahr 2010
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Er beherrschte noch alle Tricks: Horst Eckel in der Sporthalle der JVA Kassel I im Jahr 2010.

Horst Eckel, der Weltmeister von 1954, ist am Freitag (03.12.2021) 89-jährig gestorben. Auch mit Kassel war er verbunden: Dort besuchte er etwa 2010 die JVA Wehlheiden.

Kassel – „Seine Lebensfreude war ansteckend“, sagt Jörg-Uwe Meister, Leiter der Justizvollzugsanstalt Kassel I, über den verstorbenen Horst Eckel. Dieser erzählte im Wehlheider Gefängnis mehrfach vom Wunder von Bern, zuletzt bei einem Besuch im Jahr 2010.

Als Botschafter der Sepp-Herberger-Stiftung, die sich auch für die Resozialisierung von Strafgefangenen einsetzt, besuchte Eckel vor elf Jahren das Kasseler Gefängnis bereits zum dritten Mal. „Ich bin ein Wiederholungstäter“, sagte der damals 78-jährige Eckel, der deutlich machte, dass er keine Berührungsängste mit Strafgefangenen hatte. „Wir sind alle Menschen. Der eine hat ein paar mehr Fehler als der andere gemacht.“

Horst Eckel: Die Gefangenen standen wie kleine Jungen um ihn, um mehr über 1954 zu erfahren

Im Laufe der vielen Jahre habe er gemerkt, wie wichtig der Kontakt der Strafgefangenen zu Menschen von außen sei. Eckel hat immer wieder mit ihnen gesprochen, gefragt, warum sie hinter Gitter gelandet sind, wie lange sie noch sitzen müssen. Der Weltmeister von 1954 hat von vielen Ex-Häftlingen gehört, die wieder mit beiden Füßen auf dem Boden gelandet sind.

„Die Inhaftierten haben damals wie kleine Jungs um Eckel gestanden und sich von seiner Begeisterung anstecken lassen“, sagt Meister. Sie wollten von Eckel wissen, was das 1954 für ein Gefühl war, Weltmeister zu werden.

„Das kann ich mit Worten bis heute nicht beschreiben. Ich war damals ja erst 22 Jahre alt, die anderen Spieler waren viel älter“, erzählte Eckel. Nach dem Sieg über Ungarn habe er zuerst nicht realisiert, was dieser Titelgewinn für das ganze Land bedeute. „Wir waren damals nichts in Deutschland. Wir waren null.“ Die Mannschaft von Trainer Sepp Herberger sei als Außenseiter ins Turnier gegangen und habe nicht damit gerechnet, eine Chance zu haben.

Der Weltmeister von 1954 konnte auch im hohen Alter noch fußballerisch überzeugen

Eckel habe die Gefangenen aber nicht nur mit seinen Erzählungen gefesselt, sondern auch mit seinen fußballerischen Fähigkeiten beeindruckt, sagt der Anstaltsleiter. Trotz seiner knapp 80 Jahre habe Eckel damals noch alle Tricks mit dem Ball beherrscht.

Eckel erzählte den Inhaftierten auch, dass Sepp Herberger der Beste aller Fußballtrainer gewesen sei, auch wenn es in Deutschland immer viele andere gute Trainer gegeben habe. Herberger habe nicht nur die gegnerischen Mannschaften sehr gut gekannt, sondern wusste auch, wie er mit jedem seiner Spieler umzugehen hatte. „Mit Helmut Rahn musste er ganz laut sprechen, mit Fritz Walter ganz leise“, erinnerte sich Eckel.

Die Besuche des Weltmeisters von 1954 sind auch in guter Erinnerung bei den Strafgefangenen in Kassel geblieben. (Ulrike Pflüger-Scherb)

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