Geld für neue Märkte ist genug da

Lebensmittelhändler Tegut sucht in Kassel Standorte und will neue Läden eröffnen

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Wird geschlossen: Die Tegut-Filiale in der Königs-Galerie in der Kasseler Innenstadt. Die 13 Mitarbeiter sollen in den elf anderen Tegut-Supermärkten in und um Kassel weiterbeschäftigt werden. 

Kassel. Für die Kunden und die meisten Mitarbeiter kommt die Schließung überraschend. Die im Mai 2007 eröffnete Tegut-Filiale in der Königs-Galerie wird es in drei Wochen nicht mehr geben.

Man würde sich freuen, die Kunden künftig im Markt im City Point begrüßen zu dürfen, steht auf Aufstellern vor dem Einkaufsmarkt zu lesen.

Gleich neben dem City Point am Königsplatz hat im ehemaligen Kaskade-Kino auch ein Denn’s Biomarkt eröffnet. „Das ist für uns nichts Erschreckendes“, sagt Tegut-Sprecherin Stella Kirchner. Das Unternehmen habe positive Erfahrungen mit einem Fachhändler in direkter Nähe einer Tegut-Filiale. Ein reiner Biomarkt ergänze Tegut als Vollsortimenter und „ist gut für uns“.

Dass Königsgalerie-Chef Gerhard Jochinger nach dem Vertragsablauf Tegut aus dem Haus haben wollte, will die Unternehmenssprecherin nicht kommentieren. Die Bio-Supermarktkette sei „derzeit daran, neue Standorte in Kassel zu planen und neue Märkte zu eröffnen.“ Dafür seien auch Standorte in der Innenstadt möglich.

Geld für neue Märkte sowie den Umbau und das Aufhübschen vorhandener Filialen ist genug da. Auch der Tegut-Markt im City Point mit 1370 Quadratmetern Verkaufsfläche wurde im vergangenen Jahr „revitalisiert“, wie es die neuen Eigentümer nennen. Das Geld kommt von Migros, dem größten Schweizer Supermarktkonzern, dem Tegut seit inzwischen vier Jahren gehört.

Die Schweizer, die in ihrem Heimatland nicht mehr expandieren können, griffen zu, als es vor fünf Jahren um die Zukunft der angejahrten deutsche Tegut-Kette ging. Das Familienunternehmen aus Fulda stagnierte, Geld für Investitionen fehlte und die Geschäftslage galt damals als angespannt.

Bis 2017 will die Genossenschaft Migros Zürich annähernd 150 Millionen Euro in die Auffrischung der 272 deutschen Tegut-Filialen investieren. Das Ziel ist, bis zum Jahr 2030 eine Verdoppelung des Umsatzes auf rund zwei Milliarden Euro zu erreichen.

Mit aktuell rund einer Milliarde Jahresumsatz ist Tegut ein Winzling im deutschen Lebensmittelmarkt, in dem jährlich rund 250 Milliarden Euro umgesetzt werden. Die Lebensmittelbranche wird von den Platzhirschen – allen voran die Edeka-Gruppe mit mehr als 53 Milliarden Jahresumsatz – dominiert. Bei den fünf Größten Edeka, Rewe, der Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland sowie Aldi und der Metro-Gruppe landen mehr als 70 Prozent des deutschen Umsatzes in den Kassen.

Auch der Migros Genossenschafts-Bund ist ein solcher Handelsriese, setzt annähernd 26 Milliarden Euro jährlich und gehört damit zu den größten Händlern Europas.

Familienunternehmen wird von dritter Generation geführt

Das Familienunternehmen Tegut wurde von dem Kaufmann Theo Gutberlet gegründet, der 1947 den ersten Lebensmittelladen eröffnete. Startkapital waren gebrauchte Nägel, selbst gemachte Taschen aus Wehrmachtsrestbeständen und einige selbst genähte Hemden aus Fallschirmseide. In dritter Generation heute von Thomas Gutberlet geführt, ist Tegut seit dem Jahr 2013 Teil der Genossenschaft Migros Zürich. 2016 lag der Netto-Umsatz von Tegut bei annähernd einer Milliarde Euro. Insgesamt sind 5780 Menschen in den 272 Märkten in sechs Bundesländern, den Logistikzentren und den Zentralen Diensten in Fulda für Tegut tätig. 

Im Jahr 2011 gab es noch 309 Filialen, 6353 Mitarbeiter und 1,17 Milliarden Euro Umsatz. Der Vollsortimenter gilt als Bio-Pionier. Bereits im Jahr 1982 hatte Tegut Bio-Lebensmittel ins Sortiment aufgenommen und erwirtschaftet heute mit über 3000 Bio-Produkten rund ein Viertel des Umsatzes. Den Kunden werden insgesamt 23 000 Produkte (Markenprodukte sowie Eigenmarken) geboten. 

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