Der Förderverein Christoph 7 will mehr Radfahrer dazu bringen, Helm zu tragen

Lebensretter aus Polystyrol

Das Polystyrol zerbrach, der Kopf blieb heil: Vorstandsmitglied Hans-Dieter Bohlander und Nicole Stahl vom Förderverein Christoph 7 mit dem Helm, der vor fünf Jahren vermutlich das Leben der Mountainbikerin rettete. Beide engagieren sich dafür, dass mehr Radfahrer Helm tragen. Foto: Janz

Kassel. Ein Fahrradunfall hat Nicole Dargels Leben verändert. Im August 2007 nahm die damals 34-jährige Regensburgerin für ihre Betriebsmannschaft am Mountainbike-Rennen in Zierenberg teil. Auf einer Abfahrt, sie war über 60 Stundenkilometer schnell, stürzte die Radfahrerin direkt auf den Kopf. Die Polystyrolschale des Helms brach gleich mehrfach, Nicole Dargel hatte aber nur eine Gehirnerschütterung.

Diesen Helm hat sie noch immer. „Ohne den wäre das ganz, ganz schlimm gewesen“, sagt die Frau, die inzwischen Nicole Stahl heißt. Denn im Rot-Kreuz-Krankenhaus, in das sie damals mit einem gebrochenen Schlüsselbein und Blessuren am ganzen Körper eingeliefert wurde, lernte sie den Arzt Peter Stahl kennen. Heute sind sie verheiratet und erwarten ihr zweites Kind.

Als fliegender Notarzt, der zur Besatzung von Christoph 7 gehört, hat Peter Stahl schon manchen Fahrradunfall gesehen. In diesem Sommer wird der Rettungshubschrauber alle paar Wochen zu solchen Einsätzen gerufen. Nicht alle gehen letztlich so glimpflich aus wie der von Nicole Stahl.

Anfang Mai stürzte eine Frau in Felsberg mit ihrem Rad. Sie trug keinen Helm und erlitt schwere Kopfverletzungen. Mitte Juli fuhr eine 78-jährige Frau ohne Helm in Medebach gegen einen Traktor. Sie hatte nichts außer Kopfverletzungen. Wenige Tage später starb ein 25-jähriger Student in Kassel. Er hatte am Stern beim Abbiegen die Kontrolle über sein Rad verloren und war gegen ein geparktes Auto gestoßen. Auch er trug keinen Fahrradhelm.

Erwachsene sind Vorbilder

Aber es gebe eben auch die glücklichen Fälle, die gut ausgingen, sagt Peter Stahl. Das gelte gerade für Kinder, die häufiger Helm tragen, aus geringerer Höhe fallen und sich meist geschickter abfangen können. Umso wichtiger sei es, dass auch Erwachsene jederzeit Helm tragen. „Es sollte so selbstverständlich sein wie das Anschnallen im Auto“, sagt Stahl, dem es auch auf die Vorbildfunktion der Erwachsenen ankommt: „Wenn der Vater schon keinen Helm trägt, will das Kind das auch nicht.“

Stahl ist stellvertretender Ärztlicher Leiter des Luftrettungszentrums Kassel und Vorsitzender des Fördervereins Christoph 7. Der feiert in diesem Jahr sein 10-jähriges Bestehen mit einem großen Fest am Sonntag, 26. August, in den Messehallen Kassel. Dort wird es auch darum gehen, die Besucher auf die Gefahren des Radfahrens ohne Helm hinzuweisen. Aufklärungsarbeit gehört zum Kerngeschäft des Fördervereins.

In dem engagiert sich inzwischen auch Nicole Stahl. Die begeisterte Radfahrerin hat aus ihrem Unfall vor fünf Jahren gelernt: „Früher habe ich den Helm nur bei Touren und Rennen aufgesetzt. Inzwischen fahre ich nicht mal ohne zum Bäcker.“

Von Marcus Janz

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