Kasselerin Rosemarie Knierim braucht keine 80-Liter-Mülltonne und fordert seltenere Leerung

Leere Tonne, aber volle Kosten

Die ist ihr zu groß: Rosemarie Knierim braucht ihre 80-Liter-Restmüll-Tonne nicht, weil sie gut sortiert. Foto: Ludwig

Kassel. Rosemarie Knierim ist eine gewissenhafte Mülltrennerin. „Und dafür werde ich bestraft“, findet die 75-jährige Kasselerin. Mit dem Restmüll, den die Frau gemeinsam mit ihrem Mann in den zwei Wochen bis zur nächsten Leerung produziert, werde ihre 80-Liter-Tonne nicht einmal halb voll.

Weil sie dennoch 220 Euro im Jahr dafür zahlen muss, wünscht sie sich kleinere Tonnengrößen oder eine seltenere Leerung. Beides bieten die Stadtreiniger nicht an – dafür aber eine Nachbarschaftstonne.

Das Ehepaar Knierim nimmt es mit der Mülltrennung genau: Sie haben eine Papiertonne, werfen Verpackungsmüll in den gelben Sack, bringen ihr Altglas regelmäßig weg und haben im Garten einen eigenen Kompost. Deshalb liegt nach 14 Tagen nur ein kleines Häufchen in der schwarzen Tonne vor ihrer Haustür, die bereits die kleinste im Angebot der Stadtreiniger ist.

Umlage aller Kosten

„Weil ich nicht für eine leeren Tonne bezahlen wollte, habe ich bei den Stadtreinigern nachgefragt, ob sie nicht auch nur alle vier Wochen geleert werden könnte“, sagt Rosemarie Knierim. Die Antwort fiel negativ aus. Birgit Knebel, Pressesprecherin der Stadtreiniger, erklärt warum: „Die eigentliche Leerung der Hausmülltonne fällt preislich kaum ins Gewicht. In der Abfallgebühr, die sich bislang nach dem Volumen der Tonnen berechnet, werden alle Kosten der Stadtreinigung umgelegt. Dazu gehören etwa auch der Betrieb der Recyclinghöfe, die Leerung der Wertstoffbehälter und die Schadstoffsammlung.“

Damit diese Leistungen noch transparenter werden, überlegen die Stadtreiniger im Zusammenhang mit ihrem Abfallkonzept 2013 eine Grundgebühr einzuführen, zu der eine individuelle Gebühr – je nach Tonnengröße und Leerungsintervall – hinzukommt. Ob diese Pläne umgesetzt werden, ist aber noch offen.

Für Rosemarie Knierim haben die Stadtreiniger einen Vorschlag. Sie raten ihr, eine Nachbarschaftstonne zu beantragen. Dabei teilen sich zwei unmittelbare Nachbarn einen Behälter. „Dies halte ich für nicht praktikabel“, sagt Knierim. Obwohl sie sich mit ihren Nachbarn gut verstehe, berge die gemeinsame Nutzung einer Tonne Konfliktstoff. Ganz schnell gebe es da Auseinandersetzungen um die Frage, wer wie viel Müll in die Tonne geworfen habe.

Für Leerung alle vier Wochen

Knierim hält es für sinnvoller, die Leerung noch flexibler zu gestalten: „Eine Leerung im vierwöchigen Turnus würde für die Stadtreiniger keinen Mehraufwand bedeuten.“ Auch vor dem Hintergrund des neuen Kreislaufwirtschaftsgesetzes, das eine noch stärkere Wiederverwertung von Reststoffen vorsieht, solle doch auch über kleinere Reststoffmülltonnen nachgedacht werden. „Wenn man gut sortiert – was bleibt dann noch?“, fragt Knierim.

Von Bastian Ludwig

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