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Leerstand in Kasseler Einkaufsgalerien: Ladenmieter sind schwer zu finden

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Von: Axel Schwarz

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Neues Konzept ist in Arbeit: In der Kurfürsten-Galerie sind Leerstände schon länger ein Problem. Außerdem hat aktuell auch die Bäckereifiliale mit Café (vorn) an der Ecke zur Kölnischen Straße aufgegeben.
Neues Konzept ist in Arbeit: In der Kurfürsten-Galerie sind Leerstände schon länger ein Problem. Außerdem hat aktuell auch die Bäckereifiliale mit Café (vorn) an der Ecke zur Kölnischen Straße aufgegeben. © Axel Schwarz

Die Corona-Pandemie trifft auch die Einkaufsgalerien in Kassel hart. Der Leerstand hat fast überall zugenommen. Doch eine Galerie kommt gut durch die Krise.

Kassel – In den Einkaufsgalerien der Innenstadt von Kassel hat die Atmosphäre während der Pandemiezeit teils sichtlich gelitten. Von den Auswirkungen sind die Häuser unterschiedlich betroffen. Zwar sind sie immer noch die wichtigsten Anziehungspunkte für viele Kunden in Kassels Innenstadt – doch mancherorts in den großen Einkaufsgalerien haben sich zuletzt sichtlich größere Leerstandslücken aufgetan. Für das Management der Häuser ist es in diesen Zeiten nicht einfach, neue Geschäftsmieter zu gewinnen. Über aktuelle Herausforderungen und generelle Entwicklungen haben wir mit Verantwortlichen gesprochen.

In der 1995 eröffneten Königs-Galerie, die seit fünf Jahren von einer Tochtergesellschaft der Hanseatic-Gruppe aus Hildesheim betrieben wird, flanieren Besucher an etlichen ungenutzten Ladenflächen vorbei. Langjährige Mieter wie der Schuhhändler Görtz 17 oder aktuell die Modeläden Lacoste und Wolford haben das Feld geräumt, andere wie der Herrenausstatter Sør insolvenzbedingt aufgegeben. Von 55 Geschäftslokalen stehen laut Galeriemanager Heinz Schäffer aktuell zehn Läden leer.

Zehn ungenutzte Läden: In der Königs-Galerie sind laut Aushängen noch weitere Mieter auf dem Absprung.
Zehn ungenutzte Läden: In der Königs-Galerie sind laut Aushängen noch weitere Mieter auf dem Absprung. © Axel Schwarz

Kasseler Königs-Galerie: Von 55 Geschäftslokalen stehen aktuell zehn Läden leer

„Nachvermietungsgespräche sind deutlich schwieriger geworden“, berichtet Schäffer. Interessenten wollten sich oft nicht mal mehr auf drei, sondern allenfalls auf ein Jahr Vertragslaufzeit festlegen: „Die wollen erst mal schauen, was dieses Pandemiejahr noch mit sich bringt, und ihr Risiko minimieren.“

Das Problem sei in der ganzen Innenstadt sichtbar, sagt Schäffer. Er habe bei einem Rundgang in diesen Tagen 55 leer stehende Läden in der Fußgängerzone und in den Galerien gezählt. Mit Inkrafttreten der jüngsten Zugangs-Verschärfungen wegen Corona sei zudem ein deutlicher Publikumsrückgang in der Stadt festzustellen. Direkt verfolgen kann Schäffer das, weil die Zugänge der Königs-Galerie mit Besucherzählern ausgestattet sind. Pro Woche kämen derzeit rund 46.000 Menschen ins Haus, das seien 50 Prozent weniger als vor der Pandemie.

Leerstand in der Kurfürsten Galerie: Kasseler Haus braucht dringend neue Impulse

Schäffer glaubt, „dass wir noch einen schweren Februar bekommen werden“. Danach, etwa ab April, sehe er die Perspektiven für seine Galerie wieder zuversichtlicher. Der Ausblick auf die documenta werde dann vermehrt geschäftliche Fantasien freisetzen: „Es gibt keinen besseren Zeitpunkt für die, die etwas versuchen wollen.“

In der Kurfürsten Galerie ist schon vor Pandemiebeginn klar gewesen, dass das 1991 eröffnete Haus dringend neue Impulse braucht. Von den rund 40 Geschäftsflächen steht etwa ein Drittel leer, vor allem in der oberen Etage sind kaum Kunden unterwegs. Geschäftliche Anziehungspunkte sucht man dort vergebens, allerdings wirbt das Fitnessstudio seit Jahresbeginn unter neuem Namen um Kundschaft. Dahinter stecke allerdings nur eine Neufirmierung des bisherigen Betreibers, erklärt Michael Tegeder von der Deutschen Mittelstand Real Estate AG (Demire) in Frankfurt, die die Galerie seit 2015 verwaltet.

Ein Drittel der Geschäftsflächen in der Kasseler Königs-Galerie steht leer

Seit auch das Hotel samt Restaurant im vergangenen Jahr ausgezogen ist, ist in dem Gebäudekomplex noch weniger los. Wie es mit dem Hotelbereich weitergehen soll, wie im Haus die Leerstandsquote und die Besucherzahlen sind, dazu machte Demire auf Nachfrage keine Angaben. Generell habe „die Nachfrage nach Einzelhandelsflächen coronabedingt gelitten“, beschreibt das Unternehmen die Lage.

Es gibt laut Tegeder aber Konzepte, wie die betagte Galerie neu aufgestellt werden soll. Als erster Schritt seien in den vergangenen Monaten diverse Renovierungs- und Verschönerungsarbeiten an Decken, Wänden, Beleuchtung und Möblierung vorgenommen worden. Das habe dazu geführt, dass es in der Galerie etwas freundlicher aussieht.

Gut behauptet in der Pandemie: Im City-Point fallen nur wenige Leerstandsflächen auf.
Gut behauptet in der Pandemie: Im City-Point fallen nur wenige Leerstandsflächen auf. © Axel Schwarz

City-Point in Kassel hat Corona-Herausforderungen am besten überstanden – wenig Leerstand

Aber es müsse weit mehr getan werden. Man arbeite zusammen mit einer Agentur an einer Neupositionierung. „Wir planen gezielte Vermietungen im Gastrobereich, um die Kundenfrequenz zu erhöhen und die Attraktivität des Einkaufsangebots zu steigern.“ Die Pläne seien „weitestgehend fertig“, sagte der Demire-Sprecher: „Die Umsetzung erfolgt, sobald Corona vorbei ist.“ Der Name Kurfürsten Galerie werde dabei erhalten bleiben.

Der City-Point am Königsplatz hat die Herausforderungen der Pandemie bisher am besten überstanden. In Kassels neuester und größter Einkaufsgalerie, 2002 erbaut und ebenso wie das Dez von der Hamburger ECE-Gruppe betrieben, gibt es laut Managerin Jessica Reinhardt bei 65 Ladenflächen derzeit drei Leerstände zu vermelden.

Nur drei Leerstände im City-Point: Kasseler Einkaufszentrum sieht sich gut aufgestellt

Und keiner davon habe etwas mit Corona zu tun: Zwei Mietverträge seien schon vor der Pandemie ausgelaufen, eine weitere Schließung sei durch die Insolvenz der dahinter stehenden Filialkette bedingt. Für die freien Flächen im City-Point sei „auch Interesse da“, sagte Reinhardt. „Aber um Namen zu nennen, ist es noch zu früh.“

Die Galerie am Königsplatz sei bislang ohne größere Verwerfungen durch die Pandemiezeit gekommen und sehe sich auch für die nächste Zeit „gut aufgestellt“. Die Geschäftsmieter im Haus hätten auch deshalb gut durchgehalten, „weil wir ihnen mit den Kosten entgegengekommen sind“, so Reinhardt.

City-Point: Besucherzahl angesichts der Umstände zufriedenstellend – 2G-Regel als Belastung

Auch die Besucherzahlen seien mit Blick auf die besonderen Umstände zufriedenstellend. Seit dem vergangenen Sommer seien durchgängig mehr Kunden gekommen als in den Vergleichsmonaten des Jahres 2020. Und aktuell liege die Besucherfrequenz wieder bei 80 bis 90 Prozent der Werte vor Corona.

Allerdings, so Reinhardt, halte die Entwicklung der Umsätze nicht mit dem Publikumsinteresse Schritt, wie sich schon im abgelaufenen Weihnachtsgeschäft gezeigt habe. Das sei zwar „den Umständen entsprechend“ in Ordnung gewesen. Doch nach wie vor wirke sich die 2G-Regel, der die meisten Läden unterliegen, als „hohe Belastung für den Einzelhandel“ aus.

Jessica Reinhardt wünscht sich, dass möglichst schnell wieder Zeiten kommen mögen, wo ihre Branche „nicht mehr diesen starken Restriktionen unterliegt“. Aber aus der Erfahrung vergangener Pandemie-Phasen sagt sie auch: „Alles ist besser als ein Lockdown.“ (Axel Schwarz)

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