Stadtreiniger fordern zu Schlosskauf auf

Ärger durch Waschbären: Stadtreiniger fordern verschließbare Tonnen ein

Werbung für die Tonne mit Schloss: An den Bio- und Restmülltonnen, die mit Spanngurten oder anderen Eigenkonstruktionen gegen Waschbären gesichert sind, hinterlassen die Stadtreiniger derzeit diesen orangefarbenen Infozettel. Foto: Koch

Kassel. Waschbären sind für viele Kasseler eine Plage - sie wühlen in den Mülltonnen herum und schmeißen diese auch schon einmal um. Manche Bewohner beschweren die Deckel deswegen mit Backsteinen. Doch das sehen die Stadtreiniger gar nicht gerne. Sie fordern zum Kauf von speziellen Schlössern auf.

 Waschbären sind ziemlich clever. Wer nicht will, dass sie in der eigenen Mülltonne herumwühlen und bei ihrem Raubzug die Tonne auch mal umschmeißen, muss sich etwas einfallen lassen. Viele Kasseler - vor allem in Wohngebieten nahe Parks oder am Stadtrand - beschweren ihre Mülltonnen-Deckel daher mit Backsteinen oder spannen Gummiriemen darüber

Viele Waschbärgeplagte mit solchen Schutzvorrichtungen Marke Eigenbau haben an der Tonne jetzt einen orangefarbenen Anhänger der Stadtreiniger gefunden. Darauf wird für eine verschließbare Tonne geworben, die zum Sonderpreis von 20 Euro angeboten wird. „Sie schützen damit unsere Mitarbeiter vor schwerwiegenden Verletzungen“, heißt es auf dem Infozettel. Für Ärger bei einigen Betroffenen sorgt allerdings der Zusatz: „Sollten sich bei der nächsten Leerung erneut Spanngummis an der Mülltonne befinden, wird ihre Tonne nicht geleert.“

Auf Nachfrage der HNA sagt Birgit Knebel, Sprecherin der Stadtreiniger, man werde weiterhin alle Tonnen leeren. Die Formulierung sei gewählt worden, um deutlich zu machen, dass es sich um ein ernsthaftes Problem handele. „Das ist keine Bagatelle.“ Wegen der Spannriemen habe es schon mehrfach Unfälle geben. Dabei sei der Riemen auch schon einem Mitarbeiter ins Gesicht gesprungen. Außerdem verletzten sich die Müllwerker an den Händen.

Auch beim Ausschütten der Mülltonnen bereiteten die Riemen häufig Probleme, etwa wenn sie sich an der Hubvorrichtung verfangen. Weil viele Tonnen mit Riemen verschlossen seien, die erst von den Mitarbeitern gelöst werden müssten, komme es zudem zu Zeitverzögerungen, sagt Knebel. Das führe langfristig zu höheren Kosten.

Mit den verschließbaren Tonnen, die mit einem sogenannten Schwerkraftschloss ausgestattet sind, biete man den Betroffenen eine Lösung für das Problem an, sagt Knebel. Weil zuletzt verstärkt über die Waschbärplage berichtet worden sei, habe man die Sonderaktion gestartet.

Niemand werde gezwungen, eine Tonne mit Schwerkraftschloss zu kaufen, betont die Sprecherin der Stadtreiniger. „Man kann die Riemen weiter nutzen, muss sie aber vor dem Leerungstermin entfernen.“ Bisher habe man überwiegend positive Rückmeldung auf die Aktion bekommen, sagt Knebel. Es seien bereits 200 Bestellungen für Tonnen mit Schloss eingegangen.

Derzeit gebe es im Stadtgebiet etwa 4000 Mülltonnen mit Schwerkraftschloss. Das entspreche sieben Prozent. Schätzungsweise 1500 der Spezialtonnen dienten dabei dem Zweck, Waschbären die Futterquelle zu entziehen. Der Rest sei im Einsatz, um zu verhindern, dass Unbefugte die Mülltonne benutzen.

Von Katja Rudolph

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