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Legal sprayen unter der Hafenbrücke in Kassel

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Von: Claudia Feser

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Otis Paetz und Annli Lattrich sitzen auf einer Betonbank vor der Hafenbrücke im Stadtteil Wesertor
Graffiti an der Hafenbrücke: Ortsbeiratsmitglied Otis Paetz hatte die Idee, die Pfeiler der Hafenbrücke zu besprühen, um wilde Sprühflächen im Stadtteil Wesertor zu vermeiden. Mit im Bild Ortsvorsteherin Annli Lattrich. © Claudia Feser

Die Bleichwiesen an der Fulda im Stadtteil Wesertor sind eigentlich ein idyllisches Plätzchen – wenn der Verkehrslärm und die wilden Graffiti nicht wären. Kaum eine Mauer und Sitzfläche ist ohne wildes Graffito.

Wesertor – Die Sprayer nutzen den Schutz des Fuldaufers. Das soll sich jetzt ändern: Künftig soll die Hafenbrücke als legaler Fläche für Graffiti und andere Wandbilder dienen.

Die Idee kommt von Otis Paetz, mit 21 Jahren das jüngste Mitglied des Ortsbeirats Wesertor. „So ist es hässlich“, sagt er und zeigt auf die Hafenbrücke, deren Pfeiler und Widerlager mit Zeichen, Wörtern und Nummern wild besprüht sind, „aber vielleicht bekommen wir die Hafenbrücke hübsch.“ Deshalb wird am 20. Oktober in Zusammenarbeit mit der Projektgruppe „Hilfe fürs Quartier“ ein Workshop angeboten.

Der Kasseler Graffitikünstler SHAE wird den Teilnehmern am Samstag, 22. Oktober, zeigen, wie großformatige Schriftzüge an die Wand gebracht werden. Der Workshop richtet sich an alle Menschen ab 13 Jahren, die in den drei Stadtteilen Wesertor, Nord-Holland und Rothenditmold leben. Denn in diesen drei Stadtteilen ist die Projektgruppe aktiv, die zum Kulturzentrum Schlachthof gehört.

Ihr Ziel: Kunst in den öffentlichen Raum bringen. Die Projektgruppe ist ein experimentelles Pionierprojekt: Der Bund hat pro Bundesland ein Projekt gefördert, und das Kulturzentrum Schlachthof hat mit „Hier im Quartier“ den Zuschlag für Hessen bekommen. Zum Jahresende läuft die Förderung aus. Der Graffiti-Workshop ist damit eine der letzten Aktionen der Projektgruppe. Damit wird ein weiterer Ort für Kunst geschaffen – und der Stadtteil Wesertor wird weiter belebt.

Die Sandsteinmauer entlang der Bleichwiese ist voller Graffiti.
Kritzeleien an der Mauer: Die Sandsteinmauer entlang der Bleichwiese ist voller Graffiti. © Annli Lattrich

Vorkenntnisse für die Teilnahme am Workshop sind nicht nötig, jeder kann mitzumachen. Auch Ortsvorsteherin Annli Lattrich will dabei sein. Sie möchte das Stadtteil-Logo an einen der Brückenpfeiler malen. Jeder Teilnehmer hat die Möglichkeit, seine Ideen umzusetzen. Der Workshop, mit dem die legale Spray-Fläche eingeweiht wird, ist für die Teilnehmer kostenlos, inklusive aller Materialien. Auch der Ortsbeirat hat sich finanziell beteiligt und 500 Euro aus seinen Dispositionsmitteln zur Verfügung gestellt.

Bevor die Teilnehmer unter der Hafenbrücke ihrer Kreativität freien Lauf lassen können, müssen die Flächen noch grundiert werden. Damit werden die Bilder langlebiger, erst recht, wenn sie gut in die Landschaft passen. Die Grünanlage zwischen Katzensprung und Hafenbrücke wurde vor zehn Jahren als Naherholungsgebiet neu angelegt. Auch die Ahna, die durch die Wiesen fließt, wurde renaturiert. (Claudia Feser)

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