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Mauersteine aus Lehm: Firma aus Nordhessen entwickelt nachhaltige Baustoffe

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Von: Claudia Feser

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Stefan Kimm-Friedenberg, Stefan Dubielzig und Susanne Fröhlich (von links) stehen in einem n einem mit Lehmsteinen gemauerten Musterhaus
Die Firma Kimm aus Wabern will großformatige, tragende Lehmsteine industriell produzieren. In einem mit Lehm gemauerten Musterhaus stehen (von links) Geschäftsführer Stefan Kimm-Friedenberg, technischer Berater Stefan Dubielzig und Projektleiterin Susanne Fröhlich. © Claudia Feser

Die Firma Kimm aus Wabern im Schwalm-Eder-Kreis entwickelt in Kooperation mit dem Forschungsinstitut für Materialentwicklung in Weimar nachhaltige Baustoffe.

Wabern – Der Baustoff Lehm ist ökologisch, sorgt für ein gutes Raumklima und ist zu hundert Prozent recyclingfähig. Seit Hunderten von Jahren wird Lehm zum Bau von Häusern genutzt; die Lehmziegel werden in Manufakturen gebrannt. Aber großformatige, lasttragende Mauersteine aus Lehm, die industriell gefertigt werden, gibt es noch nicht auf dem Markt. Das will Baustoffproduzent Stefan Kimm-Friedenberg aus Wabern (Schwalm-Eder-Kreis) ändern. In Kooperation mit dem Forschungsinstitut für Materialentwicklung in Weimar wird derzeit an den wissenschaftlichen und technischen Grundlagen für den Industriemaßstab geforscht. Das Projekt wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert. 

Dabei geht es unter anderem um die Zusammensetzung des Materials und die Witterungsbeständigkeit der Steine. Sie sollen in großer Stückzahl und gleichmäßiger Qualität produziert werden, indem sie in der Kalksandsteinpresse des Unternehmens fest und scharfkantig hergestellt werden. Für dieses Formpressverfahren wurde Patent angemeldet.

Firma Kimm aus Nordhessen meldet Patent für Mauersteine aus Lehm an

Der Lehmstein soll für tragendes Lehmsteinmauerwerk nach DIN 18940 geeignet sein und hat „ein enormes Potenzial“ wie Kimm-Friedenberg im April auf der Bau-Messe in München festgestellt hat, wo die Nachfrage nach ökologischen, klima- und ressourcenschonenden Baumaterialien groß war.

Das Waberner Unternehmen will unterschiedliche Größen produzieren: Der größte Stein wird 63 Kilogramm schwer und 50 Zentimeter lang sein. Er muss mit Zangen- und Kranhebeltechnik vermauert werden. Mit den tragenden Lehmsteinen können bis zu viergeschossige Häuser gemauert werden. Sie können verputzt werden und sind so vor der Witterung geschützt. Der Baustoff nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab. Im Winter speichert er die Wärme und hat im Sommer einen kühlenden Effekt – und spart so den Einbau einer Klimaanlage.

Schwalm-Eder-Kreis: Firma Kimm aus Wabern baut Wohnkomplex aus Lehmsteinmauerwerk in Bayern

Anfang 2024 steht für das Waberner Unternehmen ein erstes Großprojekt an: In Kirchheim bei München wird ein Wohnkomplex entstehen: Es werden Mehrfamilienhäuser mit 22 Wohnungen aus lasttragendem Lehmsteinmauerwerk gebaut. „Das wird unser Referenzprojekt“, sagt Kimm-Friedenberg.

Grundsätzlich gilt: Beim Formpressverfahren fällt weniger Energie an als bei den üblichen Baustoffen aus der Ziegel- oder Kalksandsteinindustrie, da beim Brennen der Ziegel viel Energie nötig ist. „Die einzige Energie, die wir für die Lehmmauersteine benötigen, ist die Pressenergie, und die kann mit Solarenergie erzeugt werden“, erläutert Projektleiterin Susanne Fröhlich. Der Energieverbrauch der Produkte während der Herstellung sowie die Wiederverwertungsmöglichkeiten der Baustoffe sei für die Ökobilanz eines Hauses wichtig, da der CO₂-Fußabdruck eines Gebäudes verringert werden kann.

„Lehm benötigt kein Bindemittel wie Zement“: Firma glaubt an Vorteile ihres Patents

In einer Tonne Zement für die Herstellung von Betonsteinen stecken rund 700 Kilogramm CO₂. „Lehm ist ein Baustoff, der kein CO₂ bei der Produktion freisetzt, da er keine Bindemittel wie Zement benötigt“, sagt Kimm-Friedenberg. In diesem Jahr seien die Zementpreise um 50 Prozent gestiegen. Bei Lehmprodukten fallen keine CO₂-Abgaben an. Auch deshalb würden Lehmprodukte perspektivisch günstiger. Sie bestehen aus Kies, Sand, Ton und Wasser.

Aus der Lehmwand können nach Ende der Nutzung wieder Steine hergestellt werden oder der Lehm kann in der Natur verteilt werden, etwa zur Verfüllung von Baugruben. (Claudia Feser)

Die Pläne für ein Interkommunales Gewerbegebiet an der A 49 bei Neuental (Schwalm-Eder-Kreis) werden konkreter.

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