Brennpunkt-Schulen schlechter versorgt

31 Lehrer mehr – und trotzdem gibt’s Kritik

Kassel. Gut gedacht, schlecht gemacht: In Kassel wird Kritik laut an einer an sich erfreulichen Sache. Kassels Schulen bekommen 31 zusätzliche Lehrer, doch wie sie verteilt werden, ist für viele nicht nachvollziehbar.

Die Stunden vergibt das Kultusministerium nach einem Sozialindex. Trotzdem bekommen in Kassel Schulen in Brennpunkten weniger Lehrer als andere. Insgesamt stattet Kultusministerin Nicola Beer (FDP) die hessischen Schulen mit 300 zusätzlichen Stellen aus.

Sozialindex bedeutet: Die Lehrer werden ausschließlich auf hessische Städte verteilt. Grund ist eine Berechnung, die sich nach dem Anteil von Arbeitslosen, Sozialhilfeempfängern und Migranten in der Kommune richtet. Landkreis-Schulen gehen leer aus. „Die Städte sind die Profiteure“, sagt Kassels Schuldezernentin Anne Janz (Grüne).

Allerdings wurde das Prinzip des Sozialindex nicht konsequent verfolgt: Wie eine Befragung unter Kassels Schulen ergab, erhielten ausgerechnet diejenigen Schulen in sozialen Brennpunkten und Stadtteilen mit vielen Ausländern weniger Lehrer als andere. Beispielsweise bekommt die Schule am Wall im Stadtteil Wesertor 7,7 zusätzliche Stunden, während sich die Heidewegschule in Bad Wilhelmshöhe über zehn Stunden freuen kann.

Das Wilhelmsgymnasium (1066 Schüler) bekommt 32,6 Stunden, aber die Albert-Schweitzer-Schule (1106 Schüler) nur 9,2. Die Begründung: Auf die ASS gehen mehr Landkreisschüler, und die seien ja vom Sozialindex ausgenommen. „Diese Verteilung ist höchst bedauerlich und wir hoffen, dass bald nachgesteuert wird“, sagte Anke Bergmann (SPD), Mitglied im städtischen Schulausschuss, wo das Thema jetzt diskutiert wurde. „Für eine gerechtere Verteilung der Stunden hätte der Schulträger unbedingt einbezogen werden müssen“, sagte Anne Janz.

Von Christina Hein

Rubriklistenbild: © dpa

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