Sie war auch schon bei "Wer wird Millionär?"

Die Helene Fischer der Lehrerinnen? So erlebte eine Kasselerin ihren Auftritt bei Lanz

+
Stand in dieser Woche im Mittelpunkt: Lehrerin Julia Wöllenstein von der Kasseler Carl-Schomburg-Schule.

Kassel. Manche sagen, Julia Wöllenstein sei diese Woche zum Fernseh-Star geworden. Die Kasseler Lehrerin war im ZDF in der Reportage "37 Grad" und bei Markus Lanz zu sehen. Wer ist diese Frau?

Ein kurzer Besuch am Freitag in der Kasseler Carl-Schomburg-Schule, Stadtteil Wesertor. Julia Wöllenstein hat zwei Freistunden, da lässt sich gut auf diese Woche zurückblicken, in der die 43-Jährige so präsent war im deutschen Fernsehen wie keine andere Lehrerin. Womöglich standen selbst die Kultusminister nicht so im Mittelpunkt.

Julia Wöllenstein war am Dienstag Protagonistin des Films „Lehrer am Limit“ innerhalb der ZDF-Reportagereihe „37 Grad“, am Donnerstag war sie in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz zu sehen, sie saß neben Ex-Außenminister Sigmar Gabriel und redete über die Situation der Lehrer.

Also, rein in die Schule, in die Pausenhalle. Da steht Julia Wöllenstein, und ihre Freistunde sieht so aus, dass sie vor Schülern steht und ihnen etwas erklärt. Sie scheint immer im Einsatz, ihre Energie ist auch nach einer Woche ungebrochen, in der weit mehr anstand als der Unterricht in der Schule.

Mittwoch ist sie nachmittags mit dem Zug nach Hamburg aufgebrochen, abends fand dann dort die Aufzeichnung der Talkshow statt. Danach ist sie zurück nach Kassel gefahren worden. Nach einer kurzen Nacht begleitete die dreifache Mutter ihren Sohn ins Krankenhaus, weil er operiert wurde.

Müdigkeit? Von wegen. Julia Wöllenstein sitzt jetzt in einem kleinen Raum in der Schule und spricht. Die interessanten Themen sind für sie aber nicht Lanz und Gabriel und das Fernsehen, sondern die Schule und die Schüler. Das wird auch deutlich, wenn sie doch mal von ihrem Besuch in der Talkshow erzählt. Nach der Aufzeichnung habe Lanz noch mit jedem Gast einzeln eine Nachbesprechung gemacht. Die Mitarbeiter hätten ihr erzählt, sie könne dann auch ein Selfie mit dem Moderator machen. Aber: „Warum sollte ich?“ Ja, warum auch?

Wichtiger ist es Julia Wöllenstein, dass es mit der Schule vorangeht. Die Vergangenheit interessiert sie dabei nicht. Aber sie stört es, wenn Stillstand herrscht. Sie will wachrütteln und erreichen, dass den Lehrern von der Gesellschaft wieder mehr Respekt entgegengebracht wird, dass sich die Bedingungen bessern: kleinere Schulklassen, mehr Räume – auch für die Lehrer, um sich mal zurückziehen zu können.

Sie bezeichnet sich selbst als Macherin, als Rampensau, der politische Spielchen suspekt sind. Sie hat nach dieser Woche auch erkannt, dass sie aufpassen muss, nicht vor den Karren gespannt zu werden. Bald sind Landtagswahlen, und: „Ich habe keine Lust, die Helene Fischer der hessischen Schulen zu werden.“

Ihr geht es um die Sache, deshalb hat sie sich beworben, nachdem das ZDF für die „37-Grad“-Reihe bei Schulen nach Protagonisten gefragt hatte. Deshalb hat sie auch Lanz besucht, obwohl sie eigentlich nicht mehr ins Fernsehen gehen wollte, nachdem sie mal bei einer Spezial-Ausgabe von „Wer wird Millionär?“ Kandidatin gewesen ist und für die Schule 64.000 Euro gewann.

Sie hofft, dass sie nach ihren jüngsten Auftritten nicht als jemand dasteht, der alles schlecht findet und die eigene Schule als Brennpunktschule sieht. „So ist es nämlich nicht“, sagt sie mit einem gewissen Stolz, an der Carl-Schomburg-Schule tätig zu sein.

Eins noch: Hat sie genügend gefrühstückt? Da muss sie lachen. Ihre Tochter erwähnte im Film, dass sie sich um ihre Mutter Sorgen mache, weil sie kaum zum Essen käme. Aber Julia Wöllenstein kann sie und alle anderen beruhigen. Das sei ein bisschen zu heftig rübergekommen. Es sei alles in Ordnung; die Energie wird ihr nicht ausgehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.