Geheimdienst NSA motiviert: Ansturm auf Workshop an der Uni Kassel

So leicht wird die Verschlüsselungstechnik Caesar geknackt

Codeknacker haben Konjunktur: Prof. Arno Wacker zeigte den Schülern eine Entschlüsselungsscheibe, mit der die amerikanische NSA schon Kinder für Kryptografie begeistern will. Fotos: Dilling

GLH JDOOLL UNRPPHQ. Die Botschaft scheint unverständlich. Doch nach knapp zwei Minuten reckt sich eine Hand. Die Lösung ist gefunden.

Die lautet: „Die Gallier kommen.“

Den römischen Feldherrn Caesar, der vor mehr als 2000 Jahren die heute nach ihm benannte Verschlüsselungstechnik für geheime militärische Nachrichten nutzte, mit der dieser Satz codiert wurde, hätte sich wohl schwarzgeärgert. Mindestens genauso wie der Erfinder der berühmten Enigma-Verschlüsselungsmaschine, deren für absolut sicher gehaltener Code im Zweiten Weltkrieg geknackt wurde.

„Verschlüsselungen sind immer so lange für sicher gehalten worden, bis sie geknackt wurden“, sagt Prof. Arno Wacker, Leiter des Fachgebiets „angewandte Informationssicherheit“ an der Uni Kassel, der Schülern und fünf Lehrern aus Kassel und der angrenzenden Region das Einmaleins der Kryptografie (Verschlüsselungstechnik) erklärte. Der Workshop an der Uni, veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Schülerforschungszentrum Nordhessen (SFN), war ausgebucht. Zehn Interessenten habe man mangels Kapazitäten abweisen müssen. Vor drei Jahren, beim ersten Workshop, kamen nur rund 50 Schüler.

Das wachsende Interesse von jungen Leuten habe viel mit den Enthüllungen des US-amerikanischen Datenexperten Edward Snowden zu tun, der die Schnüffelpraxis des Geheimdienstes NSA und weiterer Dienste enthüllte, sagte Wacker gegenüber der HNA.

Immer mehr gewiefte Ganoven und Wirtschaftsspione knacken die Codes von Datenbanken im Internet, um sich beispielsweise elektronisch Zugang zu Konten zu verschaffen oder heimlich Firmen-Know-how abzuschöpfen. Das mache die Kryptografie zu einem Wachstumsmarkt, sagt Felix Kalms. Der 18-jährige Schüler der Albert-Schweitzer-Schule kann sich gut vorstellen, später als Verschlüsselungsexperte Firmennetzwerke sicherer gegen Hacker-Angriffe zu machen. Privat mache er sich weniger Gedanken darüber, wie gut seine E-Mails und andere Korrespondenz im Internet geschützt seien. „Ich habe keine großen Geheimnisse. Für die NSA lohnt es sich nicht, bei mir mitzulesen.“

Seine Schulkameradin Alina Kappes sieht das ähnlich. Die meisten Anwendungen und Programme würden ja bereits verschlüsselt angeboten. „Das reicht für Otto Normalverbraucher“, sagt die 17-Jährige, der die detektivische Arbeit des Ver- und Entschlüsselns sichtlich Spaß macht.

Prof. Wacker hält die Sorglosigkeit bezüglich der Datensicherheit für fatal. Keineswegs seien alle Kommunikationsströme im Netz verschlüsselt und die Qualität der Kryptografie sei sehr unterschiedlich.

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