Neue Publikation befasst sich mit Angst und Schrecken in der Stadt

Leid in der Heimat: Kassel im Ersten Weltkrieg

Gefangenenlager Niederzwehren

Kassel. Chaos, Hunger, Not. Nicht nur an der Kriegsfront des Ersten Weltkriegs, auch in der Kasseler Heimat wurde gelitten und gestorben. Diesem historischen Kapitel widmet sich die jüngsten Publikation der Geschichtswerkstatt an der Albert-Schweitzer-Schule (ASS), „Heimatfront“.

„Der Erste Weltkrieg gilt als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, als Auftakt des zweiten 30-jährigen Kriegs“ schreibt Initiator Wolfgang Matthäus im Vorwort. In der lokalen Geschichtsschreibung spiele diese Zeit eine auffallend untergeordnete Rolle. Und das, obwohl Kassel mehr als vier Jahre lang von den Begleiterscheinungen des Ersten Weltkriegs (1914 -1918) geprägt worden sei.

Die Zivilbevölkerung spürte die Auswirkungen des Kriegs unmittelbar. Dass davon heute vieles nicht mehr im Bewusstsein der Stadtgesellschaft vorhanden ist, hat die Autoren verwundert.

Wem sind sie noch gegenwärtig: die 40.000 Kriegsgefangenen, die im Lager am Keilsberg (heute Langes Feld) in Niederzwehren untergebracht waren und von denen 1915 tausende an einer Fleckfieberseuche starben? Wer denkt an die erzwungene Produktion von Munition und anderen an der Kriegsfront benötigten Gütern oder an die Angst vor Spionen, die unter der Bevölkerung geschürt wurde? Ausländer, Pazifisten aber auch Anarchisten und Sozialisten standen unter Generalverdacht. Die Mobilmachung versetzte die Bevölkerung in Angst und Schrecken und brachte die Stadt aus den Fugen.

Täglich bevölkerten Menschenmassen die Orte, wo Extrablätter mit neuen Meldungen aushingen, etwa an der Kölnischen Straße, wo sich das Verlagshaus des Kasseler Tageblatts befand.

Bilder von Kassel im Ersten Weltkrieg

Heimatfront - Kassel und der Erste Weltkrieg

Wenige Wochen nach Kriegsausbruch wurden bereits die ersten Toten und Verwundeten beklagt. „Kassel wurde zur Stadt der Lazarette“ heißt es im Buch. Bewegend sind die zitierten Passagen aus dem Kriegstagebuch August Wiedemanns, welches die Schüler im Stadtarchiv entdeckt haben. Wiedemann beschreibt einen Krankentransport so: „Manche von ihnen hatten keine Arme und Beine mehr, anderen fehlte das Augenlicht. Viele von ihnen waren sehr zu bedauern, dass sie in ihrem jungen Alter ihre Glieder für das Vaterland opfern mussten.“

Von Christina Hein

„Heimatfront - Kassel und der Erste Weltkrieg“ (263 Seiten) ist im Kasseler Buchhandel für 14,95 Euro erhältlich. Beteiligt waren: Ines Ayeb, Svenja Brand, Moritz Ehrlich, Lars Geese, Romeo Glötzer, David Hees, Julia Henninger, Jana Kellner, Lukas Mock, Hanna Poloschek, Leonhard Link, Julian Schüssler sowie Markus Rose und Wolfgang Matthäus.

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