Thema Entlassung von 1050 Mitarbeitern

Interview mit Ullrich Meßmer: „Leiharbeit ist wichtig für SMA“

Blick in die Produktionhalle: Dieses Foto entstand im Februar 2011 bei SMA. Archivfoto: Herzog

Kassel. Ullrich Meßmer ist an der Spitze der IG Metall seit Jahren ein streitbarer Kämpfer für Arbeitnehmerrechte. Er sitzt für die SPD im Bundestag und ist Mitglied im Aufsichtsrat von SMA. Dort verlieren gerade viele ihre Arbeitsplätze, vor allem Zeitarbeiter. Ein HNA-Interview.

Wie bewerten Sie, was bei SMA gerade passiert?

Ullrich Meßmer: Die Lage des Unternehmens bewegt sich im Rahmen dessen, was für 2012 prognostiziert wurde. Die aktuelle Entwicklung spiegelt das wider, was die Unternehmensleitung für 2013 erwartet, nämlich einen starken Rückgang des Geschäfts.

Es sind vor allem Leiharbeiter, die bei SMA gehen müssen. Sie haben als Gewerkschafter die Leiharbeit kritisch beurteilt. Sehen Sie das als Aufsichtsrat anders?

Meßmer: Nein, denn es gibt Unternehmen, die Leiharbeit nutzen, um reguläre Arbeitsplätze zu ersetzen und somit Personalkosten zu senken. Bei SMA wurde Leiharbeit aber genau so eingesetzt, wie das Instrument gedacht ist.

Was heißt das?

Meßmer: SMA ist schnell gewachsen. Es war absehbar, dass dieses Wachstum ein Ende findet, aber es war nicht klar, wann. Hier hat die Leiharbeit SMA geholfen, flexibel zu sein. Die Flexibilität war außerdem nötig, um saisonale Schwankungen der Branche auszugleichen. Leiharbeiter sind bei SMA aber immer so entlohnt worden wie reguläre Beschäftigte. Im Prinzip war die Leiharbeit sogar teurer für SMA, denn die Dienste des Leiharbeitunternehmens mussten ja auch mitbezahlt werden.

Einen Unterschied gibt es aber: Leiharbeiter kann man von einem Tag auf den anderen vor die Tür setzen. Bei einer anderen Firma stünden Sie als Gewerkschafter doch jetzt mit ihrem roten Schal vor dem Werkstor und demonstrierten.

Meßmer: Den roten Schal trage ich auch jetzt. Andere Unternehmen setzen Leiharbeiter ein, um reguläre Arbeitsplätze zu ersetzen, und sie zahlen für Leiharbeiter so schlecht, dass der Staat zu deren Lebensunterhalt beitragen muss. Dagegen kämpfe ich. Wie das bei SMA gehandhabt wurde, finde ich in Ordnung. Die Alternative wäre doch gewesen, die Leute fest einzustellen und bei saisonalen Schwankungen oder jetzt zu feuern.

Man hätte die Menschen fest einstellen können - die Kurzarbeit ist ein sehr gutes Mittel, um Schwächephasen aufzufangen, das haben viele Unternehmen in der Krise gezeigt.

Meßmer: Die Kurzarbeit ist dann tauglich, wenn es sich bei dem Abschwung um eine vorübergehende Phase handelt. Bei SMA hoffen wir auf weiteres Wachstum, aber dazu sind langfristig auch geänderte politische Rahmenbedingungen notwendig. Tatsache ist doch, dass der Markt wegen der geänderten Einspeisevergütung plötzlich zusammengebrochen ist. SMA versucht außerdem, sich neue Märkte zu erschließen. Ich hoffe, dass diese Strategie ab 2014 greift.

Was raten Sie den Menschen, die jetzt bei SMA keine Arbeit mehr haben?

Meßmer: Dasselbe wie allen anderen, die ihre Arbeit verlieren: Lassen Sie sich von den Gewerkschaften beraten und bei der Wahrung Ihrer Rechte helfen.

Von den Zeitarbeitern dürften nur wenige in der IG Metall sein, das bringt also nichts ...

Messmer: Dazu muss ich Ihnen keine Auskunft geben. Sie können davon ausgehen, dass es IG Metaller bei SMA gibt, sonst wäre ich nicht im Aufsichtsrat.

Was tun Sie denn konkret, um den Menschen zu helfen? Die Leute brauchen Arbeit, nicht nur Beratung.

Meßmer: Wir machen uns dafür stark, dass in den Betrieben, in denen noch Mitarbeiter gesucht werden, die ehemaligen SMAler in den Fokus rücken. Ein Problem dabei ist aber aktuell in Ihrer Zeitung zu lesen: Die Konjunktur flaut in Nordhessen ab.

Von Uli Hagemeier

Zur Person Ullrich Meßmer (58)

Ullrich Meßmer

Er sitzt für die SPD im Bundestag. Er lebt in Calden. Bis März war er als Erster Bevollmächtigter Chef der IG Metall Nordhessen, nun gehört er als Kassierer deren Vorstand an. Für die Tätigkeit im Aufsichtsrat bei SMA erhielt Meßmer im Jahr 2011 etwa 16 500 Euro. 12 000 Euro davon führte er an die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung ab, die Studenten unterstützt, 4500 spendete er an ein Schulprojekt und ein Solarprojekt. (hai)

Lesen Sie auch: SMA-Stellenabbau trifft Nordhessen

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