Der Polizei entgehen Motorradunfälle, weil sie nicht gemeldet werden

Leipziger Straße: Zahlreiche Stürze auf Tram-Gleisen

In Bettenhausen queren Tram-Gleise die Leipziger Straße. Schilder warnen Motorradfahrer vor der Gefahr. Dennoch kommt es immer wieder zu Unfällen.

Bettenhausen. Es war der 6. Mai, als Björn Budnick aus Lohfelden mit seinem Motorroller auf der Leipziger Straße schwer stürzte. In Höhe des Frisörsalons Haarscharf und des Fachgeschäfts Eisen Krug queren die Tram-Gleise die Straße – bei Nässe eine spiegelglatte Falle für Zweiradfahrer.

Björn Budnick, 20 Jahre alt, erkannte die Gefahr zu spät, die Räder seines Rollers rutschten weg, er knallte auf die Straße und brach sich das linke Handgelenk.

An dieser Stelle kommt es häufig zu Roller- und Motorradunfällen, sagt Erich Jeschke, Inhaber des Geschäfts Eisen Krug. Sein Mitarbeiter Torsten Waschkewitz ergänzt: „Seit durch den Rückbau der Leipziger Straße die Gleise die Straße kreuzen, habe ich hier mindestens 15 Motorradunfälle erlebt.“ In gut der Hälfte der Fälle erlitten die Fahrer schwere Verletzungen, die übrigen seien glimpflich verlaufen. „Bei den leichten Stürzen war die Polizei gar nicht vor Ort“, sagt Waschkewitz.

Björn Budnick stürzte schwer. Eine Meldung bei der Polizei machte er nicht, „weil kein Fremdschaden entstanden war“.

Auch vom Frisörsalon Haarscharf aus lässt sich das Geschehen auf der Leipziger Straße gut beobachten. „Ich selbst habe fünf Unfälle erlebt“, sagt eine Mitarbeiterin. Die Unfälle seien stets bei Nässe passiert. „Ein Motorradfahrer musste mit gebrochenen Rippen ins Krankenhaus, einen anderen haben wir selbst im Salon verarztet.“ Auch sie teilt die Beobachtung, dass die Polizei von vielen Stürzen gar nichts mitbekommt. „Verläuft ein Sturz glimpflich, stehen die Motorradfahrer wieder auf und fahren weiter.“

Dennoch ist der Polizei die Stelle an der Leipziger Straße bekannt. „Es gab Zeiten, da haben wir dort tatsächlich vermehrt Motorradunfälle gehabt“, sagt Achim Scholz, Leiter der Verkehrsinspektion.

Weil eine bauliche Entschärfung der Stelle nur schwer umsetzbar sei, seien Warnschilder aufgestellt worden. Daraufhin sei die Zahl der Unfälle zurückgegangen. Sein Kollege Uwe Lorenz bestätigt: „Seit Januar 2012 haben wir hier keinen Roller- oder Motorradunfall mehr registriert.“

Das wundert Björn Budnick nicht: „Auch wir haben damals die Polizei nicht informiert – weil kein Fremdschaden entstanden war.“ Ein Taxifahrer habe vor Ort geholfen, die Eltern per Handy angerufen, die ihn dann ins Krankenhaus brachten.

Achim Scholz wertet das als Fehlverhalten: „Wie sollen wir Unfallschwerpunkte erkennen, wenn wir nicht informiert werden“, sagt der Fachmann. Die gesammelten Daten seien schließlich Grundlage dafür, Gefahrenpunkte zu entschärfen. Auch Heidi Hamdad, Sprecherin der KVG, sagt: „Bislang gilt diese Stelle an der Leipziger Straße nicht als Unfallschwerpunkt.“

Für die Budnicks bleibt die Gleisquerung in der Straße dennoch eine gefährliche Stelle. Nur wenige Tage nach Björn Budnicks Unfall war Vater Günther vor Ort, um Besorgungen zu machen. Auch er beobachtete einen Motorradfahrer, der bei Nässe auf den Gleisen ins Schlingern geriet. „Einen Sturz hat er aber gerade noch abfangen können.“

Von Boris Naumann

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