Schwächen werden bereits in Kindergärten und Grundschulen erkannt

Lernhilfe: Schülerzahl sinkt

Gabriele Steinbach

Kassel. Die Zahl der Kinder an Lernhilfeschulen geht zurück. Laut einer Statistik des Kasseler Schulverwaltungsamts besuchten im Schuljahr 2003/04 noch 893 Kinder aus Stadt und Landkreis diese Einrichtungen, 2010/11 waren es lediglich 450.

Damit hat sich die Zahl der Kinder fast halbiert, die wegen einer verminderten Lernfähigkeit dort unterrichtet werden. Dieser Trend bestätigt sich auch bei den selbstständigen Landkreis-Einrichtungen in Baunatal, Hofgeismar und Wolfhagen: Von 447 Lernhilfe-Schüler 2003/04 sank die Zahl aktuell auf 338.

Zusammenschluss

Langfristig müsse über einen Zusammenschluss von Lernhilfeschulen nachgedacht werden, sagte Kassels Schulverwaltungsleiterin Gabriele Steinbach. Besonders dramatisch sei der Rückgang an der Agathofschule in Bettenhausen. Die Agathof- und die nicht weit entfernt liegende Heinrich-Steul-Schule könnten künftig zu einer Einheit verschmelzen, sagte Steinbach. Beide Schulen haben bereits eine gemeinsame Schulleitung.

Zwar geht die Zahl der Kinder mit Lernschwierigkeiten nicht zurück. Aber das Netz an vorbeugenden Maßnahmen ist sehr viel besser geworden. Lernschwächen werden früh, meist bereits im Kindergarten, erkannt und behandelt, so dass diese Kinder die Regelschulen besuchen können. Darüber hinaus gibt es mehr ambulante schulische Unterstützung für die Bereiche sozial-emotionale Entwicklung, Lernen und Sprachvermögen.

Das sind für Thomas Burger vom Staatlichen Schulamt und zuständig für den gesamten Themenkreis rund um die Förderschulen Erklärungen für den Rückgang.

Das Thema müsse aber auch vor dem Hintergrund sinkender Schülerzahlen - wie im Landkreis Kassel - gesehen werden. Außerdem würden immer mehr Kinder, die in ihrer Lernfähigkeit eingeschränkt sind, gemeinsam mit den anderen unterrichtet.

„Gute Arbeit“

Schwerpunktschulen seien die Offene Schule Waldau, die Reformschule, die Valentin-Traudt-Schule sowie die Grundschulen Am Wall und Schenkelsberg. Seit dem Schuljahr 2009/10 stehen für den gemeinsamen Unterricht 33 Lehrerstellen zur Verfügung, bis 2008/09 waren es 30. Gabriele Steinbach sieht den Rückgang positiv. „Wir sind auf einem guten Weg.“ Es zeige sich, dass in den Kitas und Grundschulen in Stadt und Kreis gut gearbeitet werde.

Kinder mit Behinderung

Anders sieht es bei den Einrichtungen aus für Kinder mit körperlichen und geistigen Handicaps, die auch zu den Förderschulen zählen: Sie haben mehr Schüler aufgenommen. Beispielsweise wurden 2003/04 an der Alexander-Schmorell-Schule, einer Einrichtung für Körperbehinderte, 187 Schüler unterrichtet. Aktuell sind es 226.

Schulleiter Karl Ludwig Rabe sieht diese Entwicklung kritisch. „Wir nehmen immer mehr Schüler auf, die auf Regelschulen gescheitert sind“, sagte er. Auch der gemeinsame Unterricht sei verbesserungswürdig. Fotos:  Koch(2), Stier (1) ARTIKEL RECHTS

Von Beate Eder

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