Aufsichtsrat der Gesundheit Nordhessen Holding wird morgen endlich eine Entscheidung treffen

Letzte Chance für Medizin-Uni

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Klinikum Kassel am Möncheberg: Am Mittwoch fällt die Entscheidung, ob hier eine Medizin-Uni gegründet wird.

Kassel. Es dürfte die letzte Chance für die Gründung einer Medizin-Uni am Klinikum Kassel sein. Am Mittwoch, 16. Februar, wird der Aufsichtsrat der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) nach Angaben des Vorsitzenden, Kassels Bürgermeister Jürgen Kaiser (SPD), einen entsprechenden Beschlussvorschlag auf den Tisch bekommen.

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Ein Beschluss des Entscheidungsgremiums ist lange überfällig. Als sich im Februar 2010 abzeichnete, dass es keine Mehrheit für die Gründung einer Privat-Uni geben würde, zog der GNH-Vorstand die Notbremse und die Vorlage zurück. Seit Juli 2010 liegt das Projekt auf Eis. Da hatte die Gesundheit Nordhessen Holding ihre Aktivitäten zur Gründung der „Kassel School of Medicine“ eingestellt, weil die dafür erforderliche Mehrheit im Aufsichtsrat nicht in Sicht war. Darüber wurde auch die Partneruni in England informiert. Seither gab es keine offiziellen Kontakte mehr.

Klar ist: Es gibt im Gegensatz zu anderslautenden Gerüchten bisher keine definitive Absage der Engländer. Aber es gibt die Hoffnung, die geplante Zusammenarbeit trotz der beträchtlichen Zeitverzögerung doch noch mal anschieben zu können - wenn der Aufsichtsrat den GNH-Vorstand beauftragt, die Umsetzung des Projekts konkret vorzubereiten.

GNH-Vorstandschef Dr. Gerhard M. Sontheimer und Pathologie-Chef Prof. Dres. Gerhard Franz Walter, die das Uni-Vorhaben auf den Weg brachten, hatten wohl nicht mit den Schwierigkeiten in der Chefärzteschaft und im Aufsichtsrat gerechnet.

Die Chefärzte des Klinikums, die für die klinische Ausbildung der künftigen Studenten gebraucht werden, stehen nicht geschlossen hinter der Uni-Gründung. Einige haben großes Interesse daran, aber es gibt auch Angst vor Mehrarbeit und vor dem Verlust bestehender Lehrberechtigungen. Inzwischen geht man im Klinikum davon aus, den Unterricht für die Studenten in allen Fächern gewährleisten zu können, weil genügend Chefärzte mitmachen.

Im Aufsichtsrat können sich die Sozialdemokraten auf der Arbeitgeberbank nur schwer mit Privat-Uni, Eliteförderung und hohen Studiengebühren anfreunden. Auf der Arbeitnehmerbank befürchten Verdi-Vertreter, dass Anlaufverluste von bis zu vier Millionen Euro in den ersten fünf Uni-Jahren eine Rückzahlung des Gehaltsverzichts der Beschäftigten zur Zukunftssicherung des Klinikums gefährden könnten.

Ein Beschluss des Aufsichtsrats wäre freilich nur ein erster Schritt zur anvisierten Uni-Gründung. Auch in der Kasseler Stadtverordnetenversammlung und im Kreistag des Landkreises Kassel müssten sich Mehrheiten für das Vorhaben des kommunalen Klinikkonzerns finden. Der Kreistag hat bereits im vergangenen Jahr Landrat Uwe Schmidt (SPD) - er gehört auch dem GNH-Aufsichtsrat an - beauftragt, sich für die Uni-Gründung einzusetzen. Ein Votum der Kasseler Stadtverordneten gibt es noch nicht. In der jüngsten Debatte vor wenigen Tagen wurde aber das Ansinnen der Linken-Fraktion mit großer Mehrheit abgelehnt, die Uni-Gründung endgültig einzustellen.

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