Letzte Fahrt: Henschel-Lok kam im Schritttempo

Kassel. An dieser Stelle hielten viele hundert, von Regenschauern völlig durchnässte Zuschauer die Luft an: Mitten auf der steilen Rampe zum Henschel-Park an der Wolfhager Straße blieb die 680 PS starke Schwerlastzugmaschine stehen.

Im Schlepptau hatte der von Heiko Gegner gefahrene LKW einen 14-achsigen Anhänger, der mit einer 100 Tonnen schweren Lokomotive beladen war. Die fünf Kilometer Strecke durch Rothenditmold, die der ungewöhnliche Zug bereits im Schritttempo hinter sich gebracht hatte, waren ohne Vorkommnisse bewältigt worden. Doch jetzt verloren die Räder das starken Gefährts die Bodenhaftung.

Letzte Fahrt: Henschel-Lok ins Technikmuseum transportiert

Der Asphalt war zu nass. Kein Grund zur Panik. Die circa 35 Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks Kassel und Korbach, die den spektakulären Zug von Anfang an begleitet hatten, setzten zwei ihrer Zugmaschinen zusätzlich davor und schon griffen die Räder. Von den gebannten Zuschauern gab’s Applaus.

Es war ein besonderes Spektakel, das sich am Sonntagvormittag tausende Menschen an den Straßen in Rothenditmold anschauten: eine Henschellok der Baureihe 44 aus dem Jahr 1942 wurde von ihrem Standort auf dem Gelände des Industrieparks Mittelfeld, einem ehemaligen Henschel-Standort, ins Technikmuseum transportiert. Dort wird die schwergewichtige Spende von Bombardier künftig ein Schmuckstück der Sammlung sein.

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„Sehr bewegend“ findet Walter Füllgraf (79) den Transport. Für ihn als „alten Henschelaner“ sei der Termin ein Muss. „Ich habe 1960 an der letzten Lok, die das Werk verlassen hat, mitgeschweißt“, sagt er.

Auch für Rheinmetall-Mitarbeiter Harald Töpfer und Alfred Zufall ist die Veranstaltung emotional: Die Lok stand die vergangenen Jahre auf dem Gelände ihres Arbeitsplatzes im Industriepark Mittelfeld. „Sie wird uns fehlen“, sagt Töpfer. Als Eisenbahn-Fans waren auch Paul (3) und Emil (6) mit Papa Joachim Schulz dabei.

„Wie kriegen die denn die Lok wieder runter?“, wollte Emil wissen. Mittels einer extra aufgerüsteten Rampe und einer Menge Präzisionsarbeit, wie später von 500 Menschen beobachtet werden konnte. „Alles verlief gut und mit großer Ruhe“, resümierte ein rundum zufriedener Bernd Scott vom Vorstand des Technikmuseums. (chr)

Rubriklistenbild: © Herzog

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