Ausverkauf an Kunoldstraße

Letzter Akt bei Schlecker

Aus und vorbei: Mittwoch machten Birgit Saul (links) und Inge Dreßelt die Schlecker-Filiale an der Kunoldstraße dicht. Wie es für sie weitergeht, wissen die beiden noch nicht. Foto: Herzog

Kassel. In den Regalen der Schlecker-Filiale an der Kunoldstraße (Bad Wilhelmshöhe) ist kein einziger Artikel mehr. Die Schaufenster sind mit Folie zugeklebt. „Jetzt ist wirklich Schluss“, sagt Birgit Saul und schließt die Tür von außen zu.

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Inge Dreßelt hat sie den Ausverkauf über die Runden gebracht. Die Schnäppchenjäger waren da, aber auch langjährige Kunden. „Die guten Wünsche haben gutgetan“, sagt Inge Dreßelt, die 14 Jahre für Schlecker gearbeitet hat. Die Filialschließung auf der Marbachshöhe hat sie miterlebt, auch am Stern war sie im Einsatz. Jetzt beginnt ein neues Kapitel.

Nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di waren nach der ersten Schließungswelle vor einigen Monaten in Nordhessen 60 Schlecker-Filialen (darunter sechs XL-Märkte) mit über 200 Mitarbeiterinnen übrig geblieben. Im Juni waren in Stadt und Altkreis Kassel noch zehn von ursprünglich 21 Filialen geöffnet, unter anderem in Kaufungen und Fuldatal. Für die kleinen Schlecker-Filialen war gestern der letzte Tag. „Ein seltsames Gefühl“, sagt Birgit Saul. Trotzdem sei es gut, dass es jetzt endlich klare Verhältnisse gebe. Ebenso wie ihre Kollegin hat sie sich arbeitslos gemeldet. Sie hofft darauf, dass sie in absehbarer Zeit eine neue Anstellung bekommt.

„Irgendwo muss der Umsatz, der bei Schlecker gemacht wurde, ja bleiben“, sagt Erika Preuß, die beim Ver.di-Bezirk Nordhessen für den Fachbereich Handel zuständig ist. Die Schlecker-Frauen hätten die ihnen anvertrauten Filialen wie Selbstständige geführt. „Das sind Frauen mit einem hohen Verantwortungsbewusstsein, über die ein neuer Arbeitgeber nur froh sein kann“, sagt sie. Bisher gibt es noch keine Angaben, wie viele Schlecker-Frauen bereits einen anderen Job gefunden haben. Auch Birgit Saul und Inge Dreßelt wissen noch nicht, wie es für sie weitergeht. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen hatte vorgeschlagen, Schlecker-Mitarbeiterinnen für „Mangelberufe“ umzuschulen – als Erzieherinnen und im Pflegebereich. Das können sich die beiden nicht vorstellen. Sie wollen im Einzelhandel bleiben. Bundesweit sind 13.200 Schlecker-Mitarbeiter ab sofort freigestellt und erhalten ihre Kündigungen. Bereits Ende März gab es im Zuge der Insolvenz 11.000 Entlassungen.

Viele Kunden seien super nett gewesen sagt Inge Dreßelt. Noch steht sie vor der Tür der Schlecker-Filiale. Eine Frau hält auf dem Weg zum Bäcker kurz an. „Toi, toi, toi“, sagt sie und wünscht den beiden alles Gute.

Von Thomas Siemon

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.