Nach Freitod: Homepage von TV-Kandidatin abgeschaltet

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Aufnahmen zum „Perfekten Dinner“: Claudia B. (Zweite von rechts) war eine der Kandidaten der Vox-Sendung. Nach der Ausstrahlung Ende März wurde sie im Internet heftig kritisiert. Das könnte eine Rolle bei ihrem Freitod gespielt haben.

Kassel. Claudia B. hat sich das Leben genommen. Boshafte Kommentare im Internet auf ihren Auftritt bei der Kochsendung „Das perfekte Dinner“ könnten dabei eine Rolle gespielt haben. Nun wird das Vellmarer Fotomodel auch im Netz verabschiedet.

Eine Woche nach dem Freitod wurde ihre Homepage abgeschaltet. Ihre Facebook-Seite ist nur noch für Freunde vollständig einsehbar.

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„Claudia, was hast du nur gemacht, ich verstehe es einfach nicht“, schreibt eine Freundin der 32-Jährigen auf ihrer eigenen virtuellen Pinnwand. Während diese Diskussion für alle Facebook-Nutzer einsehbar ist, wurde der Zugriff auf die Seite von Claudia B. nun deutlich geändert. Das Profilfoto zeigt einen Sonnenuntergang, die Pinnwand ist für Fremde nicht mehr einsehbar. Mit ihnen hatte Claudia B. zuvor offen diskutiert.

Nur ihre Facebook-Freunde können sich auf ihrer Seite noch austauschen. Jemand, der die Zugangsdaten der Verstorbenen kennt, muss die Einstellungen so geändert haben, dass sie sich von Claudia B. verabschieden können. Er könnte auch dafür verantwortlich sein, dass ihre Homepage mit freizügigen Fotos nicht mehr erreichbar ist.

Gedenken bei Facebook

Facebook selbst bietet an, das Profil eines Verstorbenen in einen Gedenkzustand zu versetzen. Dann können nur noch Freunde Nachrichten hinterlassen. Für Fremde scheint das Konto nicht mehr zu existieren, in der Suche taucht es nicht mehr auf. Endgültig gelöscht wird es aber nur, wenn Familienangehörige das unter Vorlage der Sterbeurkunde beantragen.

Diesen Nachweis verlangen fast alle Anbieter im Internet, um sich bei Todesmeldungen abzusichern. Die VZ-Netzwerke (SchülerVZ, StudiVZ und MeinVZ) überlassen es den Angehörigen, ob ein Profil bestehen bleibt oder gelöscht wird. „Die Wünsche sind sehr unterschiedlich“, sagt Sprecherin Sweelin Heuss. Während die einen das letzte Geleit im Netz ablehnen, freuen sich andere über diese Möglichkeit.

Das zu Yahoo gehörende Fotonetzwerk Flickr lässt Bilder eines Verstorbenen so lange online, bis mit der Sterbeurkunde die Löschung des Kontos beantragt wird. „Dann geht das aber sehr schnell“, sagt eine Yahoo-Sprecherin. Das gelte auch für Mailkonten bei Yahoo selbst, die ebenfalls auf Antrag der Hinterbliebenen gelöscht werden können.

Aber selbst Angehörige erhalten in der Regel keinen Zugriff auf das Konto eines Verstorbenen, wenn sie die Zugangsdaten nicht haben. Die meisten großen Anbieter nennen Datenschutzgründe. Anders handhaben es Web.de und GMX: Gegen Vorlage des Erbscheins erhält der Erbberechtigte Zugriff. So könne er zum Beispiel wichtige Mails sichern, erklärt Sprecherin Nadja Heinz. Sonst würden die Daten nach sechs Monaten automatisch gelöscht.

Von Marcus Janz

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