Maria und Josef Kühn haben heute vor 60 Jahren in Rumänien geheiratet

Liebe auf den ersten Blick

Heute vor 60 Jahren: Maria und Josef Kühn tragen zur Diamantenen Hochzeit dieselben Sträußchen wie zu ihrer Trauung . Foto:  Polk

Oberzwehren. „Sie war die schönste Frau im Dorf“, sagt Josef Kühn lächelnd. Heute sitzt sie neben ihm. Sie heißt Maria und ist seit 60 Jahren seine Ehefrau. Das Ehepaar Kühn feiert heute das Fest der Diamantenen Hochzeit.

Beide sind Banater Schwaben und in Bakova geboren, einem Dorf im rumänischen Banat. Dort begegneten sie sich als Jugendliche beim Tanz. „Ich war gleich in ihn verliebt“, sagt Maria Kühn. Liebe auf den ersten Blick stand am Anfang ihres gemeinsamen Lebensweges. Der gestaltete sich nicht immer einfach.

Schon bald getrennt

Schon drei Monate nach der Hochzeit wurden sie getrennt. Josef Kühn wurde zum Militärdienst herangezogen. Damals war er 22 Jahre alt. Er musste Arbeitsdienst für die rumänische Armee leisten, weil er als Deutscher nicht als Soldat ausgebildet wurde. Während dieser Zeit wurden die Eltern von Maria Kühn enteignet. Als Josef Kühn nach drei Jahren und vier Monaten vom Militärdienst nach Hause kam, verdienten sich seine Schwiegereltern und seine Frau ihr täglich Brot als Tagelöhner in der Landwirtschaft. „Wir mussten ganz von vorn anfangen“, sagt Maria Kühn.

Josef Kühn arbeitete erst in einer Metallbaufirma, später in einer Firma für Leuchtenbau. Seine Frau Maria arbeitete als Schneiderin und bewirtschaftete Haus und Garten mit allem, was eine Familie zur Selbstversorgung benötigt. 1958 kam Tochter Hildegard zur Welt.

Ein Traum der Eheleute war es, das Land ihrer Vorfahren kennenzulernen. Doch alle Reiseanträge nach Deutschland wurden abgelehnt. Erst 1990 erfüllte sich ihr Wunsch. Tochter und Schwiegersohn waren damals bereits ein Jahr in Kassel, Maria und Josef Kühn zogen nach. Noch einmal fingen sie ganz von vorn an. Sie bauten ein Haus in Oberzwehren. Heute wohnt die ganze Familie unter einem Dach.

Die Eheleute erfreuen sich guter Gesundheit, sie versorgen sich selbst und bewirtschaften einen kleinen Garten am Haus. In jüngster Zeit haben sie Spaß daran gefunden, zum Tanztee oder zu Seniorentreffen zu gehen.

Wie schafft man es, so lang und glücklich miteinander verheiratet zu sein? „Man muss gut miteinander umgehen“, sagt die 80-Jährige. Ihr zwei Jahre älterer Ehemann ergänzt: „Man darf nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen.“

Von Ilona Polk

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