Der Motorroller war Kult - Kasseler Clubmitglieder erinnern sich an die 50er Jahre

Fesche junge Frau: Ingeborg Schmidt Anfang der 50er Jahre auf der Fuldabrücke.

Kassel. In den 50er Jahren grassierte auch in Kassel das Lambretta-Fieber. Der Motorroller von NSU gehörte damals zum Lebensgefühl der Jugend. „Wir trafen uns immer an der Esso-Tankstelle am Friedrichsplatz“, erinnert sich Ingeborg Schmidt.

Die 81-Jährige gehört zu den Gründungsmitgliedern der Kasseler Lambrettisten, wie sie sich nannten.

Erinnerungen an den Kultmotorroller Lambretta

1650 Mark (830 Euro) kostete ein neuer Motorroller, erinnert sich Ralph Edelmann. Er muss es wissen, denn sein Vater Rudolph war damals lizensierter NSU-Händler in Kassel. An der Goethestraße, wo heute noch sein Bruder einen Fahrradladen betreibt. „Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich schon als kleiner Junge immer mal mitfahren durfte“, sagt er. Bei seinen Tanten Kati und Lieselotte sei leider so gut wie nie ein Platz frei gewesen. Den hatten seine Cousinen in Beschlag.

„Der Roller war für uns ein Stück Freiheit“

„Der Roller war für uns ein Stück Freiheit“, sagt Ingeborg Schmidt. Jedes zweite Wochenende machten die Lambrettisten Ausflüge in die nähere Umgebung. Sie zelteten auf dem Meißner, übernachteten in Jugendherbergen und trafen sich in Kaffeegärten. Als Ingeborg Schmidt 1954 heiratete, fuhren die Clubmitglieder auf Motorrollern vor. Da durfte der Glücksbringer und Vereinsvorsitzende Alfred Leipold nicht fehlen. Der Schornsteinfegermeister hatte natürlich seine schwarze Montur an und trug den obligatorischen Zylinder. Auf die Kleidung haben sie damals ebenso geachtet wie auf sauber glänzende Lambrettas. „Wir waren bei unseren Ausfahrten immer gut angezogen“, sagt Roller-Veteranin Ingeborg Schmidt. 54 Mitglieder hatte der Verein Mitte der 50er Jahre.

„Meine Tanten sind mit ihren Rollern bis nach Venedig gefahren“, sagt Ralph Edelmann. Das sei damals noch ein echtes Abenteuer gewesen und habe pro Tour eine Woche gedauert. Mit ihren 4,3 PS schaffte die Lambretta eine Höchstgeschwindigkeit von 75 bis 80 Kilometern pro Stunde.

Von dem Zusammenhalt im Verein schwärmt Ingeborg Schmidt immer noch. Als die jungen Leute von damals in die Jahre kamen, eine Familie gründeten und den Roller gegen einen VW Käfer eintauschten, bröckelten die Mitgliederzahlen. Heute existiert der Verein nicht mehr.

Treffen geplant

Um so größer war die Freude bei Ingeborg Schmidt als sie zum 80. Geburtstag noch einmal eine Runde mit der geliebten Lambretta drehen konnte. Ralph Edelmann hat ihr dieses Geschenk mit einem restaurierten Originalmodell gemacht. Im März würde der Verein 60 Jahre alt. Aus diesem Anlass suchen die beiden Lambrettisten Mitstreiter von damals.

Kontakt: Ingeborg Schmidt, Tel. 05 61/ 40 27 53.

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