1000 Besucher kamen zur Jungen Kunstnacht in der Gemäldegalerie im Schloss

Liebe, Mord und Möpse

Spannende Szene aus dem 18. Jahrhundert: Kunstverstärkerin Rosa-Violetta Grötsch (rechts) verwickelt Laura Mogge und Marie von Berlepsch aus Hofgeismar (von links) und Katrin Hallmann und Lara Fasan aus Kassel in ein Gespräch über das Bild „Ein Boxkampf in London“. Foto: Schoelzchen

Kassel. Von verstaubter Museumsatmosphäre keine Spur: Ein frischer Wind wehte am Samstagabend durch die alten Sammlungen in der Gemäldegalerie im Schloss Wilhelmshöhe. Mehr als 1000 Menschen kamen zur Jungen Kunstnacht, zu der zum zweiten Mal „einzigART“, die junge Gruppe des Museumsvereins Kassel, eingeladen hatte.

Dass in den alten Gemälden zeitgemäße Themen stecken, zeigten Führungen, die unter anderem um Liebe, Lust und Leidenschaft, Mord und Totschlag oder das Haltbarkeitsdatum von Kunst kreisten.

Lea Franke und Johanna Walloschke haben über das soziale Netzwerk Facebook von der Jungen Kunstnacht erfahren. Was Facebook heute ist, das war in der Kunstgeschichte die Portätmalerei - diesen originellen Zusammenhang ließen sich die beiden 15-Jährigen bei einem Rundgang mit Pascal Klopfleisch erläutern.

Gut gefallen hat den zwei Freundinnen auch, dass vor den Kunstwerken junge Ansprechpartner bereitstanden. „Wir wollten zum Beispiel wissen, warum auf dem großen Bild mit den vielen exotischen Tieren auch ein Mops zu sehen ist“, sagt Johanna Walloschke. Jetzt weiß sie, dass der Mops damals als Statussymbol galt und somit auf dem vom Landgrafen bei seinem Hofmaler in Auftrag gegeben Bild auch seinen Platz haben sollte.

Studenten verstärken Kunst

18 sogenannte Kunstverstärker standen den Besuchern Rede und Antwort.

Rosa-Violetta Grötsch gelingt es immer wieder, Vorbeischlendernde in ein Gespräch über das Bild „Ein Boxkampf in London“ von Andreas Möller zu verwickeln. Warum sind die beiden Männer glatzköpfig? Was könnte der kleine Mohr unten links im Bildrand für eine Bedeutung haben? „Ich habe viel über das Gemälde gelesen, aber ich lasse die Leute selbst ihre Ideen entwickeln, das ist viel spannender“, sagt die Kunstwissenschafts-Studentin.

Nicht nur Teenager und junge Erwachsene lockte die lange Museumsnacht an. Auch ältere Semester waren angetan von der Idee eines nächtlichen Besuchs bei den Alten Meistern. Margarethe und Ferdinand Bebber sind nicht nur gekommen, weil ihre Tochter als Kunstverstärkerin im Einsatz ist. „Es ist einfach eine besondere Atmosphäre“, sagt das kunstinteressierte Ehepaar Anfang 50 aus Kassel.

Auch wenn keine laue Sommernacht lockte, sondern ungemütliches Museumswetter mit Nieselregen herrschte, tummelten sich viele Gäste bis zu später Stunde bei DJ-Musik und Getränken vor dem Schloss.

www.einzigart-kassel.de

Von Katja Rudolph

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