Kassels Partnerstadt Arnstadt ist eine Reise wert 

Hochzeit vor romantischer Kulisse: Das Renaissance-Schloss auf dem Arnstädter Marktplatz ist ein Blickfang. Fotos: Pinto

Arnstadt. Arnstadt ist eine Reise wert. Die malerische thüringische Kleinstadt zwischen Erfurt im Norden und dem Thüringer Wald im Süden ist der ideale Ausgangspunkt zu Tagesausflügen im Herzen des geschichts- und kulturträchtigen Freistaates.

In die Landeshauptstadt und nach Gotha sind es je 20, in die Kulturmetropole Weimar 35 und ins Herz des Thüringer Waldes kaum 30 Kilometer.

Bachkirche hinter historischem Brunnen: In der Innenstadt gibt es sieben Brunnen aus verschiedenen Epochen.

Aber auch das beschauliche Arnstadt hat eine Menge zu bieten. Die liebevoll und behutsam sanierte, fast vollständig erhaltene Altstadt, in der Renaissance und Fachwerk dominieren, bietet eine Reihe von Sehenswürdigkeiten. Die Bachkirche gegenüber dem reich verzierten Renaissance-Rathaus ist ein Muss. In dem 1676 bis 1683 erbauten Gotteshaus anstelle der einstigen, 1581 bei einem verheerenden Stadtbrand zerstörten Bonifatiuskirche hatte das Musikgenie Johann Sebastian Bach sein erstes Engagement als Organist (1703 bis 1707). Sehenswert auch die Oberkirche aus dem Ende des 13. Jahrhunderts, nur einen Steinwurf vom imposanten Marktplatz mit seiner Bach-Figur entfernt. Die lange und wechselhafte Geschichte ist in fast jedem Winkel der Stadt greifbar. Arnstadt ist nicht nur die Wiege der Thüringer Bratwurst, die erstmals 1404 urkundlich erwähnt wurde. Die 23 000-Einwohner-Kommune – Sitz des Ilm-Kreises – ist die älteste Stadt Thüringens und eine der ältesten Deutschlands außerhalb der römischen Siedlungsgebiete. Sie wurde 704 erstmals urkundlich erwähnt.

Der Besuch des Schlossmuseums muss sein. Das 1729 bis 1734 entstandene Stadt-Palais beherbergt eine weltweit einzigartige Sammlung historischer Puppen und Keramiken, die Fürstin Elisabeth Albertine von Anhalt-Bernburg (1693 bis 1774) zusammengetragen hat. Sie trägt den Namen „Mon plaisier“, meine Freude. Nur einen Katzensprung entfernt steht der Neideckturm, ein Wahrzeichen der Stadt. Er ist Bestandteil der Burgruine Neideck am Rande eines wunderschönen Parks mit jahrhundertealtem Baumbestand.

Etwas flegelhaft: Die Art, wie sich Johann Sebastian Bach präsentiert, gefällt vielen Arnstädtern nicht.

Aber Arnstadt ist nicht nur Geschichte und Kultur. Es liegt inmitten der drei Gewerbegebiete Erfurter Kreuz, das größte in Thüringen, Arnstadt-Rudisleben und Ichtershausen-Thörey. Schwerpunkte der Neuansiedlungen sind die Solarindustrie, der Maschinenbau, die Logistikbranche und Chemie. Die Infrastruktur ist sehr gut. Mit der A 4 und A 71 verlaufen zwei Autobahnen in unmittelbarer Nähe zur Stadt, zum Flughafen Erfurt-Weimar sind es 20 Kilometer, und der Bahnhof ist Kontenpunkt mehrerer Regionalbahnen. Mit dem Auto sind Kasseler in gut zwei Stunden in Arnstadt. Das gastronomische Angebot ist sehr gut.

Allerdings hat dies alles den menschlichen Aderlass nicht aufhalten können: Die Kreisstadt verlor seit der Wende 23 Prozent ihrer Bevölkerung. Die Arbeitslosenquote liegt mit acht Prozent geringfügig über dem Landesschnitt und in etwa auf dem Niveau von Kreis und Stadt Kassel. Allerdings gibt es Regionen in Thüringen mit geringeren Quoten.

Von José Pinto

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