30-Jähriger soll Exfreundin als 16-Jährige zur Prostitution gezwungen haben

Liebhaber oder Zuhälter?

Kassel. Sie sei „die Frau fürs Leben“ gewesen, schwärmte der 30-jährige Angeklagte. Er soll seine damals 16-jährige Freundin zur Prostitution gezwungen haben, deshalb muss sich der Kasseler vor dem Amtsgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm außerdem vor, er habe den Pass der Jugendlichen gefälscht, um Volljährigkeit vorzutäuschen. Als sie nicht mehr im Rotlichtmilieu arbeiten wollte, so ein weiterer Vorwurf, habe sie der Angeklagte geschlagen. Der 30-Jährige soll außerdem versucht haben, eine zweite junge Frau zur Prostitution zu überreden.

Der Angeklagte kam am Donnerstag aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus: Nachdem er seine neue Freundin in einer Disco kennengelernt hatte, hätten die beiden „wunderschöne Momente“ miteinander erlebt und „Gefühle füreinander entwickelt“. Als er erfahren habe, dass die 16-Jährige als Prostituierte arbeitet, habe er das „erst mal hingenommen“ und sie sogar ab und zu zur Arbeit im Rotlichtmilieu gefahren. Die große Liebe war offenbar nicht von langer Dauer, nach drei Jahren trennten sich die beiden. Danach, so der Angeklagte, sei er vom neuen Freund seiner einstigen Geliebten bedroht und geschlagen worden – er könne sich nicht erklären, weshalb.

Bei seiner Festnahme war in seiner Wohnung eine größere Menge Geld gefunden worden, das er von seiner Familie bekommen haben will, um ein Auto für einen gemeinsamen Urlaub zu beschaffen. Bei der Auswertung seines Handys waren die Ermittler auf diverse Einträge wie „Hure“ oder „Bitch“ gestoßen. „Das sind Frauen, mit denen ich mal geschlafen habe“, gab der Angeklagte als Erklärung an.

Seine heute 20-jährige Exfreundin schilderte eine komplett andere Version. Zunächst habe sie „eine ganz normale Beziehung“ mit dem Angeklagten geführt. Da habe er vorgeschlagen, dass sie eine Art Escort-Service betreibt, mit Männern essen geht, aber auf keinen Fall mit ihnen schläft. So lasse sich schnelles Geld verdienen. Er habe sie in ein Bordell in Duderstadt gebracht, dort habe sich schnell herausgestellt, dass es nicht um Händchenhalten ging, sondern um Sex. Sie sei nach Northeim, Göttingen und Fulda weitergereicht worden, berichtete die 20-Jährige.

Zwischen 300 und 900 Euro habe sie pro Tag verdient, den Großteil habe ihr Zuhälter eingestrichen. „Er kam jeden Tag, um sich das Geld abzuholen.“ Ein selbstständiges Leben sei von da an nicht mehr möglich gewesen, ihr falscher Freund habe sogar ihr Handy kontrolliert. Als es ihr endlich gelungen war, sich von ihm zu trennen, sei sie eines Abends in der Karlsaue joggen gewesen, als der Angeklagte plötzlich auftauchte, sie in ein Gebüsch zerrte und sie mit vorgehaltener Schreckschusspistole warnte, Anzeige zu erstatten. Sie ließ sich davon nicht beeindrucken und ging am selben Abend zur Polizei.

Diverse Zeugen sind in diesem Verfahren geladen. Am 3. April soll der Prozess fortgesetzt werden. (pas)

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