Eigentümer und Pächter vor Gericht

Kasseler Limerick geschlossen: Streit um Zwangsräumung

Mehrere Eigentümer: Dem Ex-Fußballer gehört das Lokal an der Ecke Wilhelmshöher Allee / Germaniastraße. Der Rest sind Eigentumswohnungen. Fotos: Ludwig

Kassel. Vor einigen Tagen hat die Gaststätte Limerick vermutlich für immer ihre Türen geschlossen. Hintergrund ist ein Rechtsstreit zwischen dem Eigentümer, einem Ex-Bundesliga-Fußballspieler, und dem Betreiber des Restaurants.

Am Mittwoch standen sich die Parteien im Landgericht gegenüber.

Es ist das vorerst letzte Kapitel des 1994 eröffneten Lokals an der Wilhelmshöher Allee / Ecke Germaniastraße, das am Montag im Gerichtssaal 131 verhandelt wurde. Die goldenen Zeiten erlebte das Limerick in den 90er-Jahren, als es für Gäste schwer war, abends einen Tisch zu ergattern.

Der 44-jährige Bundesligaspieler aus Schweinfurt, der für Borussia Mönchengladbach, den 1. FC Nürnberg und MSV Duisburg auf dem Rasen stand, hatte die Ladenfläche als Kapitalanlage gekauft und an einen Kasseler mit iranischen Wurzeln verpachtet. Die Zusammenarbeit lief so lange gut, wie es die Geschäfte auch taten.

Im Jahr 2010 wurde der Pächter zahlungsunfähig und legte eine eidesstattliche Versicherung ab. Nach eigenen Angaben habe dies daran gelegen, dass die Miete seit 1994 von 5000 D-Mark auf über 5700 Euro gestiegen war. Schließlich erwirkte der Vermieter vor Gericht die Zwangsräumung.

Die Hoffnung stirbt zuletzt: Diese Botschaft hängt an der Tür des Limericks.

Dann allerdings nahm die Entwicklung eine andere Richtung. Der Eigentümer ließ sich darauf ein, mit dem säumigen Zahler in Verhandlungen über einen Verkauf der Fläche zu treten. Um 320 000 Euro sollte es gehen. In der Zwischenzeit übernahm ein 46-Jähriger, der schon zuvor als Angestellter für den Pächter gearbeitet hatte, die Geschäftsleitung. Der Pächter durfte wegen seiner eidesstattlichen Versicherung kein Geschäft mehr führen und so schloss er mit dem 46-Jährigen einen Unterpachtvertrag.

Während sich die Gespräche über einen Kauf des Lokals monatelang hinzogen, kam es wieder zum Zerwürfnis. Anfang November 2012 scheiterten die letzten Verkaufsverhandlungen, weil der Pächter nach Aussage des Eigentümers nur 50 000 Euro auftreiben konnte, die zwei Brauereien stellen wollten.

Dann machte der Eigentümer ernst. Er erwirkte eine einstweilige Verfügung, tauschte die Schlösser aus und begann, dass Lokal auszuräumen. Auch gestern wurde weiter Inventar herausgetragen. Er sei zu lange mit dem Verkauf hingehalten worden und es gebe offene Pachtforderungen in Höhe von 20 000 Euro.

Dies will sich die Gegenseite nicht bieten lassen. Es könne nicht sein, dass der Eigentümer eigenmächtig und ohne Gerichtsvollzieher das Inventar seines Mandanten in seinen Besitz nehme, sagte der Vellmarer Rechtsanwalt Wilfried Rosenkranz vor Gericht. Der Jurist vertrat dort den Geschäftsführer.

Am Donnerstag will das Gericht entscheiden, ob die laufende Zwangsräumung rechtens ist oder nicht.

Von Bastian Ludwig

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