Neue Station für unheilbar Kranke im Rot-Kreuz-Krankenhaus ist die größte Hessens

Sie lindern Schmerzen

Moderne Technik: Diplom-Psychologe Dirk-Bodo Eggebrecht (links) und Oberärztin Nina Eulitz prüfen noch einmal die Geräte über den Patientenbetten, bevor der Stationsbetrieb startet. Foto:  Puchta

Kassel. Schmerzen lindern, wenn heilen nicht möglich ist. Die Lebensqualität erhöhen, auch wenn die Lebenszeit begrenzt ist. Patienten, die unheilbar krank sind, bestmöglich versorgen: Das sind die Grundpfeiler der Palliativmedizin, die sich auch im Rot-Kreuz-Krankenhaus Kassel (RKH) längst etabliert hat. Gestern eröffnete dort das Team um Geschäftsführerin Elisabeth Deterding im Beisein von Sozialminister Stefan Grüttner die neue Palliativstation. Mit 15 Betten ist sie die größte in Hessen.

Im vierten Stock des Hauses an der Hansteinstraße entstand eine komplett neue Etage, die auf das vorhandene Bettenhaus gesetzt wurde. Das Besondere an der Station ist die Verzahnung zwischen ambulanter und stationärer Behandlung.

Das Konzept erläuterte Oberärztin und Palliativmedizinerin Dr. Nina Eulitz: „Menschen, die unheilbar krank sind, möchten die Zeit, die ihnen bleibt, bei ihren Angehörigen verbringen.“ Aber in Krisensituationen könnten Probleme auftreten, die zu Hause nicht gelöst werden können, wenn beispielsweise bei Luftnot die Lunge punktiert werden muss. Man nehme die Patienten dann stationär auf, im Durchschnitt blieben sie zehn Tage.

Danach entlasse man sie wieder in ihre häusliche Umgebung und in die ambulante Behandlung, berichtete Eulitz. Ein ambulantes Palliativteam aus Ärzten, Psychologen, Seelsorgern, Pflegekräften und Sozialpädagogen ist in der Stadt und den umliegenden Landkreisen täglich bei den Patienten im Einsatz.

Auf der neuen Station arbeiten 20 Pflegekräfte. Alle Mitarbeiter des Palliativbereichs haben sich fachlich qualifiziert. In der ebenfalls neuen Palliativ-Akademie sollen mit Weiterbildungen und Schulungen Praxis und Theorie noch enger verknüpft werden.

Helle Zimmer

Herzstück der Station sind die hellen Einzel- und Doppelzimmer, in denen auch Angehörige übernachten können. Fenster bis zum Boden bieten einen weiten Blick in die Landschaft, und auf einer Art Empore können die Patienten nach draußen gehen. Der „Raum der Begegnung“ ist ein Treffpunkt zum Austausch, Teetrinken und Lesen. Im „Raum der Stille“ können sich die Patienten zurückziehen und entspannen. „Wir möchten alle Bereiche ansprechen, auch den Geist und die Seele“, sagte Nina Eulitz. Psychologische Betreuung gehöre ebenso dazu wie rechtliche Beratung. Wichtig sei, den Patienten Sicherheit zu geben.

Im Durchschnitt seien die Patienten eher jung. Krebs steht an erster Stelle der Krankheiten, deren Symptome gelindert werden. Doch auch chronische Erkrankungen würden dramatisch zunehmen. Man habe aber keine Sterbestation, macht Nina Eulitz den Unterschied zum Hospiz deutlich: „Wir entlassen in der Regel über 50 Prozent unserer Patienten. Man kann bei uns sterben. Aber man muss es nicht.“

www.rkh-kassel.de

Von Monika Puchta

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