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Lisa Marie Schwarz wird in Kassel zur Berufsfeuerwehrfrau ausgebildet

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Von: Anna-Laura Weyh

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Feuerwehrauszubildende sichern ein Auto ab, dass auf der Seite liegt
Für den Ernstfall gerüstet: Die Auszubildenden üben die technische Hilfeleistung bei einem Unfall in Seitenlage. © Anna Weyh

Als eine von 16 Auszubildenden absolviert Lisa Marie Schwarz derzeit die Grundausbildung bei der Berufsfeuerwehr Kassel. Weitere Bewerber werden gesucht.

Kassel – In acht Metern Höhe hängt Lisa Marie Schwarz außen an einem Kran und klettert weiter nach oben. Im Ernstfall ist die 25-Jährige nur mit einem Seil gesichert, das sie selbst am Mast mit Schlaufen befestigt. Heute sind da aber noch ihre Kollegen, die sie halten, falls die Melsungerin stürzt. Schwarz absolviert gerade die Grundausbildung bei der Berufsfeuerwehr Kassel. In dieser Woche steht der Lehrgang zur Absturzsicherung auf dem Programm.

Nach einem Theorie-Input machen die 16 Auszubildenden nun die ersten eigenen Schritte in luftiger Höhe. „Später folgen noch Rettungsübungen dazu“, sagt Ausbilder Markus Itter. „Für den Fall, dass bei einem Einsatz das Treppenhaus versperrt ist.“ Die Grundausbildung dauert etwa ein halbes Jahr. In dieser Zeit lernen die Auszubildenden, die zum Teil auch aus Firmen der Region und darüber hinaus aus ganz Deutschland kommen und für Werkfeuerwehren ausgebildet werden, unter anderem den Umgang mit chemischen Gefahrenstoffen.

Auch das Tragen eines Atemschutzgeräts und das Bedienen einer Motorkettensäge sind Teil der Ausbildung. „Die Teilnehmer haben kaum Zeit zum Durchatmen. Sie müssen in den sechs Monaten enorm viel lernen“, sagt Itter.

Lisa Marie Schwarz stört das nicht. Für sie gehört die Feuerwehr schon ewig zu ihrem Alltag dazu. „Mein Bruder hat mich damals mit zur Jugendfeuerwehr genommen. Ich bin dabeigeblieben“, sagt die gelernte Industriemechanikerin. Sie wird nach ihrer Ausbildung Teil der Werkfeuerwehr von B. Braun in Melsungen.

Schwarz ist die einzige Frau im diesjährigen Lehrgang

Sie ist die einzige Frau im diesjährigen Lehrgang. „Frauen sind leider immer noch selten dabei“, sagt Itter. Die meisten scheitern laut dem Ausbilder am sportlichen Eignungstest. „Das liegt einfach am anatomischen Unterschied. Die Arbeit der Berufsfeuerwehr benötigt enorm viel Kraft“, sagt er. Schwarz stimmt dem zu. „Manchmal fallen mir Dinge schwerer als meinen Kollegen“, sagt die 25-Jährige. Aber man arbeite immer im Team und könne sich daher gegenseitig gut unterstützen. Dass ihr Team ausnahmslos männlich ist, stört sie dabei nicht. „Ich finde das hier sehr angenehm. Und die Blicke, die man von außen bekommt, sind schon gut“, sagt sie.

Auszubildende Lisa Marie Schwarz  ist zu Übungszwecken auf den Kran geklettert.
Oben angekommen: Auszubildende Lisa Marie Schwarz ist zu Übungszwecken auf den Kran geklettert. © Anna Weyh

Das Ausbildungsprogramm ist vielseitig, jeder Tag ist anders. Aber es gibt nichts, das Lisa Marie Schwarz keinen Spaß macht. „Da sind eher Dinge, die einem mehr oder weniger liegen“, sagt sie. Handwerklich ist alles. „Und das mag ich.“ Bei dem Lehrgang zur technischen Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen zum Beispiel können die Arme schon mal schwer werden, wenn die Auszubildende mit der 25 Kilogramm schweren Schere, die zum hydraulischen Rettungsgerät gehört, eine Autosäule durchschneiden soll.

An 16 Autos probt die Gruppe Unfall-Szenarien und nimmt diese dafür auseinander. „Wofür uns später vielleicht zehn Minuten Zeit bleiben, dafür nehmen wir uns hier schon ein bis zwei Stunden“, sagt Lehrgangsleiter Benjamin Zirkenbach.

Besonders herausfordernd ist es für die Berufsfeuerwehr, wenn das Fahrzeug nach dem Unfall auf dem Dach liegen bleibt. „Das ist für den Fahrer eine enorme Belastung“, sagt er. Damit sich die Auszubildenden in die Lage hineinversetzen können, testen das alle in einem Überschlagssimulator. „Für uns alle, für Rettungsdienst und Feuerwehr, steht der Patient im Mittelpunkt“, so der Ausbilder.

Die Zahl der Bewerber bei der Kasseler Berufsfeuerwehr sinkt immer weiter

Die Arbeit bei der Berufsfeuerwehr sei anspruchsvoll. „Körperlich und mental“, sagt Zirkenbach. „Wir brauchen Kollegen, die auf viele Arten stark sind.“ Aktuell bewerben sich immer weniger bei der Kasseler Berufsfeuerwehr, die im Jahr – den Rettungsdienst mit eingeschlossen – etwa 15 000 Einsätze hat.

Die Bewerbungsfrist für den mittleren und den gehobenen Dienst mit Ausbildungsstart im April 2023 läuft noch bis zum 23. Juli.

Weitere Informationen unter kassel.de/stellenangebote (Anna Weyh)

Anforderungen für die Berufsfeuerwehr-Ausbildung

Für die Ausbildung ist mindestens ein Haupt- oder Realschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung oder ein Fachabitur in einer für die Feuerwehr geeigneten technischen Richtung notwendig. Die Bewerber müssen mindestens 18 Jahre alt sein und eine ärztliche Untersuchung zur Erlaubnis des Atemschutzgerät-Tragens bestehen. Ein Klasse B Führerschein ist notwendig, ebenso eine grundsportliche Fitness. Um das zu prüfen, gibt es einen Test (Schwimmen, Zirkeltraining, Leitersteigen). In einem Handwerkstest wird der Umgang mit Hammer, Bohrmaschine und Säge geprüft. Neben dem Grundlehrgang wird noch der Rettungssanitäter sowie der Lkw-Führerschein absolviert.  alw

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