Lkw-Kontrolle an der A7: Fast jeder zweite auffällig

Gute Weiterfahrt: Lkw-Fahrer Benito Ligato aus Homberg (Ohm) kann seine Fahrt fortsetzen. Er hat sich an die Lenk- und Ruhezeiten gehalten und auch sein Lkw ist technisch einwandfrei. Kontrolleur Thomas Fischer gibt ihm seine Papiere zurück. Fotos: Ludwig

Kassel. Kein Profil auf den Reifen, tropfende Lenkflüssigkeit und ein durchgerosteter Hauptrahmen. Für den Mann aus Hannover ist bei Guxhagen Schluss. Er ist einer von zahlreichen Lkw-Fahrern, die am Dienstag vom Bundesamt für Güterverkehr kontrolliert wurden. Eine Erfahrungsbericht.

Den Lkw des Mannes aus Hannover legten die Kontrolleure des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) auf dem Parkplatz Quillerwald still. Er war aber längst nicht der einzige Fahrer, für den der Parkplatz zur vorläufigen Endstation wurde. Wir begleiteten die Kontrolle, bei der es bei 14 von 35 kontrollierten Fahrern Verstöße gab.

Der Hannoveraner, der seinen 7,5-Tonner erst am Tag zuvor gebraucht gekauft hatte, ist um keine Ausrede verlegen: „Es war dunkel als ich den Lastwagen gekauft habe. Der Verkäufer hat gesagt, er sei tip-top“, erklärt sich der Mann gegenüber Robert Noll, Technikexperte vom BAG. Der aber greift zur Kette und legt sie um die Reifen des rostigen Riesen. Noll weiß, wo er suchen muss: „Am häufigsten sind gerissene Bremsscheiben und abgefahrene Reifenprofile. Viele Fuhrunternehmer lassen um diese Jahreszeit die Sommerreifen runterfahren bis es nicht mehr geht.“

BAG-Mitarbeiter André Kurzenknabe muss sich mit einem Lkw-Fahrer auseinandersetzen, der bei seinen Lenkzeiten getrickst hat. Nach Auswertung des digitalen Kontrollgerätes fiel Kurzenknabe auf, dass der Fahrer sechs Mal im vergangenen Monat mehrere Stunden ohne Fahrerkarte unterwegs war. „Wie erklären Sie sich, dass sich Ihr Fahrzeug in Ihren Ruhezeiten weiterbewegt hat“, fragt er den Mann. Der nimmt die Schuld auf sich. Die Strafe von etwa 1500 Euro will er selber tragen. „Wenn meine Firma das mitbekommt, gibt’s Ärger. Ich wollte abends nur mal nach Hause zum Duschen und Essen und da habe ich die Karte rausgenommen“, sagt der Fahrer.

Fotos von der Kontrolle

Bundesamt für Güterverkehr kontrollierte Lkw auf der A7

Etwa jeder fünfte Fahrer, den die BAG-Kontrolleure rauswinken, hat gegen Lenk- und Ruhezeiten verstoßen. „Ein immer größeres Problem sind die Manipulationen des Kontrollgerätes“, sagt BAG-Oberkontrolleur Thomas Fischer.

Seit 20 Jahren macht Fischer den Job an der Autobahn. Als er mit der Kelle an der Autobahn steht, erkennt er seine Problemfälle schon von Weitem. Noch bevor die Lkws richtig zu erkennen sind, weiß Fischer oft, um welche Spedition es sich handelt.

Die gute Nase von BAG-Mitarbeiter Andreas Kraka wird dem Fahrer einer Braunschweiger Spedition zum Verhängnis. Dessen Anhänger ist mit 4,13 Meter zu hoch. Erlaubt sind vier Meter. Damit ist seine Reise vor Kassel beendet. Deutlich zu sehen ist, dass der Aufbau nach oben vergrößert wurde.

Länger als ein paar Stunden können die Kontrolleure vom BAG nicht an einem Parkplatz bleiben. „Sonst haben sich unsere Kontrollen bei den Fahrern über Sprechfunk rumgesprochen und wer etwas zu verbergen hat, weicht auf andere Strecken aus“, sagt Fischer.

Von Bastian Ludwig

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