Zusätzliche Auswahlkriterien nicht mehr zwingend vorgeschrieben – AStA fordert flexible Lösung

Lockerung bei Master im Gespräch

Rolf-Dieter Postlep

Kassel. Mit der 2,7 war für Martina H. (Name geändert) der Traum vom Master-Studiengang „Nachhaltiges Wirtschaften“ an der Universität Kassel geplatzt. Für die Zulassung war ein Abschluss mit Note 2,5 gefordert. Die 26-Jährige Bachelor-Absolventin aus Kassel war damals erschüttert, ihre Studien- und Berufsplanung zunächst hinüber.

Wie ihr geht es auch anderen Bachelor-Studenten, die nach dem ersten Abschluss einen Master draufsatteln wollen. 50 Master-Studiengänge werden an der Universität Kassel angeboten, davon zwei ohne Mindestnote.

36 setzen die Note „Gut“ (2,5) voraus, neun eine 3,0 oder 3,5, die restlichen drei einen „befriedigend“ bewerteten rechtswissenschaftlichen Abschluss.

Ginge es nach dem AStA, gäbe es keine festen Zugangsbeschränkungen für den Master. „Die Zulassung für den Master muss der Bachelor-Abschluss sein“, sagt Vorsitzender Oliver Schmolinksi, so stehe es auch in der Bologna-Erklärung zur Neuordnung der Hochschullandschaft. Die Notengrenzen seien „willkürlich festgelegt“.

Es gebe viele Gründe, warum Studierende womöglich knapp daran vorbeischrammen könnten: längere Krankheit, psychischer Druck oder auch Belastung durch Jobs zur Studienfinanzierung.

Uni-Präsident Prof. Rolf-Dieter Postlep erklärt, dass gemäß der Ländergemeinsamen Strukturvorgaben von 2003 zusätzliche Zulassungsvoraussetzungen für den Master gefordert wurden, um - so heißt es in dem Papier - „ein hohes fachliches und wissenschaftliches Niveau“ zu gewährleisten. In der Neufassung dieser Vorgaben von 2010 werde es den Hochschulen jetzt freigestellt, Zusatz-Qualitätskriterien zu bestimmen.

Postlep hält es deshalb für denkbar, dass die Zugangsvoraussetzungen zum Sommersemester erleichtert, also zum Beispiel Notendurchschnitte gesenkt werden. Allerdings müsse man beobachten, was andere Hochschulen beschließen. „Wenn alle anderen bei der strengeren Regelung bleiben, begrenzt das natürlich unseren Handlungsspielraum.“ Grundsätzlich sei die Universität daran interessiert, allen fachlich geeigneten Studierenden den Master zu ermöglichen, sagt Postlep. „Wir wollen ja auch alle Masterstudienplätze auslasten.“

Persönliche Motivation

Der AStA fordert, dass eine flexible Lösung zur Masterzulassung gefunden werden muss. Neben einer Note könne beispielsweise ein Teil der Bewerber über Wartesemester oder Motivationsschreiben ausgewählt werden. „Langfristig muss es einen Rechtsanspruch auf den Master geben, wenn ein Bachelor vorliegt.“

Die Kasselerin Martina H. ist jetzt Master-Studentin an einer anderen hessischen Hochschule. Dort flossen neben dem Zeugnis auch persönliche Referenzen von Dozenten in das Auswahlverfahren ein. „Im Nachhinein bin ich sogar froh, dass es so gekommen ist“, sagt die 26-Jährige. An ihrer Meinung, dass für die Zulassung auch der Mensch hinter den Noten zählen müsse, habe das aber nichts geändert.

Von Katja Rudolph

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