Stadt und Landkreis stecken jährlich mehr als vier Millionen Euro in die Beseitigung von Schäden

Löcher in Straßen gehen ins Geld

Straßenpflaster: Im Januar 2011 wurde auch am Königstor ein tiefes Schlagloch mit Spezialasphalt provisorisch geflickt. Auf dem Bild sind Michael Niemeyer, Ralf Kanngießer und der ehemalige Stadtbaurat Dr. Joachim Lohse (von links) zu sehen. Archivfoto:  Herzog

Kassel. Besonders schlimm war es nach dem strengen Winter 2010/2011. Durch Frost und Schnee waren viele Straßen in Stadt und Landkreis Schlaglochpisten.

Rund vier Millionen Euro mussten damals zur Beseitigung der Schäden allein für die städtischen Straßen aufgebracht werden. Vom Land gab es angesichts der Finanznot der Kommunen Geld aus dem Winterschadensprogramm dazu.

Sondermittel nötig

Mittelfristig, das heißt schon in den Jahren 2015 bis 2020, könne der jährliche Bedarf für Mittel für die Straßenerhaltung um die Hälfte steigen, prophezeit Verkehrswissenschaftler Prof. Helmut Holzapfel von der Universität Kassel. Zudem würden solche negativen Ausreißer wie der Winter 2010/2011 künftig sicher öfter auftreten, so dass Bund und Land den Kommunen immer mal wieder unter die Arme greifen müssten.

Christof Nolda

Die Stadt Kassel hatte in den vergangenen Jahren im Schnitt 3,4 Millionen Euro für die Straßenunterhaltung ausgegeben. Zurzeit veranschlagt der Landkreis Kassel jährlich knapp eine Million Euro für Straßenreparaturen im Haushalt. Die städtischen Straßen leiden aufgrund der Verkehrsdichte und anderer klimatischer Bedingungen (durch die dichtere Besiedelung) offenbar mehr unter den Witterungsbedingungen.

Etwas Abhilfe könnten neu entwickelte Reparaturtechniken schaffen, mit denen rissige und löchrige Straßen besser gegen eindringendes Wasser abgedichtet werden sollen, erläutert Holzapfel. Denn wenn Wasser gefriert und an Volumen zunimmt, platzen die Fahrbahndecken regelrecht auf. „Doch dann wird es teurer bei der Reparatur“, rechnet der Experte vor.

„Die Kommunen sind kaum noch in der Lage, ihre Straßen vernünftig zu unterhalten“, mahnte bereits Martin Grobba vom ADAC. So fehle wegen ständig notwendiger Sanierungsarbeiten das Geld für dringend nötige Neuinvestitionen in den Straßenbau. Denn die meisten Straßen in Deutschland wurden in den 1960er- und 70er-Jahren gebaut.

Das Straßennetz der Stadt Kassel hat laut Stadtbaurat Christof Nolda ein Neuanlagevermögen von etwa einer Milliarde Euro. Der aktuelle Restnutzungswert liege bei 400 Millionen Euro. Der Investitionsbedarf für die nächsten Jahrzehnte im Straßenbau ordne sich dazwischen, also zwischen null und 600 Millionen Euro ein. (hei)

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