Arbeitgeber sind gegen Untergrenze – Handwerk: Niedriglohn dient als Sprungbrett

Lohn ist Sache der Tarifpartner

Kassel. Die nordhessischen Arbeitgeber lehnen den Vorschlag des Arbeitnehmerflügels der CDU ab, in allen Branchen feste Lohnuntergrenzen einzuführen. Nach Ansicht der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) bringt ein Mindestlohn Arbeitsplätze in Gefahr.

Der Geschäftsführer des VhU-Beirats Nordhessen, Klemens Diezemann, sieht den CDU-Vorschlag als Eingriff in die im Grundgesetz festgeschriebene Tarifautonomie von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Da solle sich die Politik nicht einmischen.

„Die gute Entwicklung des Arbeitsmarktes in der Region ist nicht zuletzt ein Resultat der verbesserten Flexibilität von Arbeitsverhältnissen“, sagte Diezemann auf HNA-Anfrage. Gerade für die Schwächsten mit geringer Qualifikation hätte sich durch niedrige Löhne in den vergangenen Jahren die Tür zum Arbeitsmarkt geöffnet. „Hier ist es Aufgabe des Staates, durch eine Aufstockung des Lohnes ein existenzsicherndes Einkommen zu gewährleisten“, sagte Diezemann.

Möglichkeit nicht ausnutzen

Das sieht Kassels Kreishandwerksmeister Bernd-Peter Doose anders: Niedriglöhne dürften nur als Sprungbrett in den Arbeitsmarkt dienen, damit der Mitarbeiter überhaupt eine Einstiegsmöglichkeit hat. „Wer vernünftig ganztags arbeitet, muss sich davon auch ernähren können“, sagte Doose. Er fürchtet, dass die Möglichkeit niedriger Löhne in manchen Branchen ausgenutzt werde.

Deshalb müsse ein Mindestlohn das Gleichgewicht zwischen neuen Arbeitsplätzen und vernünftigen Löhnen finden. „Wer stellt noch jemanden für wie viel Geld ein? Diese Frage können nur die Tarifpartner beantworten“, sagt Doose. Der CDU-Stadtverordnete befürwortet den Vorschlag, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer einen Mindestlohn finden sollen. So sei es bereits in vielen Handwerksbranchen üblich: „Unsere niedrigsten Löhne liegen ohnehin schon über dem Niveau, das jetzt diskutiert wird.“

Von Marcus Janz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.