32-jähriger Kasseler vor dem Landgericht wegen schwerer räuberischer Erpressung angeklagt

Lohnforderung mit Schreckschusswaffe?

Kassel. „Ich habe mein Geld verlangt“, erklärt der Angeklagte bestimmt. „435 Euro - nicht mehr und nicht weniger.“ Laut sei der Streit mit seinem ehemaligen Arbeitgeber geworden, gibt der 32-jährige Kasseler am Montag vor dem Landgericht zu. Man habe sich gegenseitig beleidigt. Aber er habe seinen Ex-Chef nicht bedroht. Vielmehr habe der Mann, der ihm Lohn schuldig sei, ein Messer geholt und ihn aufgefordert: „Entweder gehst du raus ...“

Die Anklageschrift präsentiert eine andere Version des Vorfalls vom 17. Juli 2012 - und wirft dem 32-Jährigen versuchte schwere räuberische Erpressung vor: Mit einer Schreckschusswaffe sei der Angeklagte in den Laden marschiert, in dem sein Ex-Chef arbeitet. Mit vorgehaltener Pistole habe der Kasseler 1000 Euro verlangt, aber nicht bekommen. Dann sei er auf eine Mutter mit Kind und eine weitere Frau im Geschäft aufmerksam geworden - und gegangen.

Der 32-Jährige zieht in Zweifel, was die junge Mutter überhaupt gesehen haben kann. Als sie im Gericht aussagt, spielt er ihr die Szene vor, stellt Fragen. Doch die Zeugin bleibt dabei: Zwei Männer hätten gestritten. Irgendwann habe sie in der Hand des Mannes vor der Theke eine Pistole erblickt. Die Hände des Ladeninhabers habe sie nicht sehen können.

Beim Anblick der Waffe habe sie Panik bekommen - und sei mit dem Kind aus dem Laden geflohen, beschreibt die Frau. Der Besitzer habe sie gebeten, die Polizei zu rufen - was sie auch tat. Dem Sohn, sagt die Zeugin, erzähle sie jetzt: „Es war nur eine Spritzpistole. Wir mussten die Polizei testen.“ Der Junge habe die Sache als Spiel verarbeitet. Ihr selbst aber mache sie immer noch Angst.

Vorwürfe vom Ex-Chef

Auch der Ex-Chef wird gehört. Der Unternehmer berichtet, der Angeklagte habe gedroht, ihn zu erschießen. Seine Aussage schweift aber auch immer wieder vom 19. Juli ab. Der Zeuge will loswerden, wie unzuverlässig der Angeklagte im Job gewesen sei, wie schlecht er sich benommen habe. Lediglich rund 70 Euro wären am Ende noch als Lohn offen gewesen, versichert er - aber an Arbeitstagen des 32-Jährigen habe Geld in der Kasse gefehlt.

„Wie kann man so viel lügen?“, poltert der 32-Jährige zu diesen Schilderungen heraus. In seiner Version ist er der Saubermann: Einer, der nicht schwarzarbeiten wollte, deshalb gekündigt wurde und da sein Geld nicht mehr bekommen habe.

Die zweite Frau, die damals im Laden gewesen sein soll, konnte noch nicht als Zeugin gehört werden. Sie erschien nicht - und war auch nicht an ihrer Meldeadresse, als die Polizei sie abholen wollte. Sie soll nun bis zum zweiten Termin Anfang November ausfindig gemacht und befragt werden, weil sie Details aus dem Streit der beiden Männer gehört haben soll.

Von Katja Schmidt

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