Forscher untersuchen, ob Absolventen Wirtschaftskraft stärken oder lieber abwandern

Neue Studie: Lohnt sich Uni für die Region überhaupt?

Kassel. Die Zahl der Studenten an der Uni Kassel wächst. Das Land steckt Millionen Euro in den Ausbau des Campus. Doch zahlen sich die Investitionen für die Region aus?

Diese Frage will das Fachgebiet Allgemeine Wirtschaftspolitik durch ein Forschungsprojekt beantworten.

Norman Vogt

Projektleiter Professor Dr. Guido Bünstorf und Dr. Stefan Krabel sowie ihre Mitarbeiter Norman Vogt und Nicolas Winterhager untersuchen dabei nicht nur das Einzugsgebiet der Uni, sondern vier weitere Hochschulstandorte in den alten Bundesländern.

Die Frage, ob eine Universität ihre Studenten an die Region binden kann oder diese nach dem Studium lieber wegziehen, hat nach Ansicht der Forscher bildungspolitische Brisanz: Wenn die Universitäten eines Bundeslandes ihre besten Köpfe nicht auf Dauer halten könnten, sei dies ein Grund, die weitere Finanzierung dieser Hochschulen womöglich zu reduzieren Auf der anderen Seite könnten Länder, die auf den Zuzug von Uni-Absolventen aus anderen Regionen spekulieren, versucht sein, weniger Studienplätze anzubieten, um Kosten zu sparen.

Doch es sei nicht klar, ob die meisten Jungakademiker bundesweit wirklich so mobil seien, wie das vielfach angenommen werde, sagt Norman Vogt. Für die Uni Kassel hat er in seiner Masterarbeit das Gegenteil festgestellt: „Knapp 60 Prozent der Absolventen verbleiben nach ihrem Studium in Nordhessen.“

Ob diese Bindung an den Wirtschaftsstandort auch von Dauer ist, will Vogt nun auf Grundlage einer breiteren Datenbasis herausfinden. Er verfolgt den Werdegang und die Arbeitsplatzwechsel von Kasseler Studenten über Jahrzehnte zurück.

Klar sei, dass Unistandorte in Metropolen wegen des größeren Arbeitsmarkts Vorteile gegenüber Unis in ländlichen Regionen hätten, sagt Doktorand Nicolas Winterhager. Er untersucht, wie stark die Unis mit der Wirtschaft in den jeweiligen Regionen verzahnt sind, ob sie etwa bedarfsgerecht ausbilden oder ob die Chefs so unzufrieden mit den Hochschulen sind, dass sie lieber Bewerber aus anderen Bundesländern einstellen.

Die Uni Kassel dürfte in diesem Punkt gute Karten haben. Ihre Zusammenarbeit mit Firmen aus der Region wurde schon vielfach gelobt.

Die Forscher entwickeln ein Rechenmodell, das die „Rendite“ einer Hochschulausbildung in Euro messbar macht. Sollten sich wirklich große bundesweite Wanderungen unter den Jungakademikern herausstellen und damit eine ungleiche Verteilung dieser „Bildungsrendite“, könnte das auf politischer Ebene Konsequenzen haben. „Wenn sich eine systematische Verzerrung ergibt, könnte man an einen Bildungsfinanzausgleich denken“, sagt Krabel. (pdi)

Von Peter Dilling

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