SPD-Ortsverein stößt Diskussion an – Auch CDU-Fraktion gegen Geschwindigkeitsbegrenzungen

Lohse: Tempo 30 nicht ausweiten

Kassel. Ist Tempo 30 auf Kassels Hauptstraßen sinnvoll, um den Verkehrslärm zu mindern? Diese Frage stellte die Grünen-Fraktion während der Sitzung des Umweltausschusses bei der Vorstellung von Planungen zu Lärmemissionen. Es sei davon auszugehen, dass sich der Verkehr von den Hauptverkehrsadern auf die Nebenstraßen und damit in die Wohngebiete verlagere, sagte Stadtbaurat Dr. Joachim Lohse. Tempo 30 sei somit ein untaugliches Mittel der Lärmreduzierung.

Zudem stelle sich das Problem, dass Straßenbahnen ebenfalls langsamer fahren müssten. Dies habe komplizierte Ampelschaltungen zur Folge, weil die Synchronisation nicht mehr stimme. Sinnvoll seien hingegen intelligente Verkehrsführungen wie die grüne Welle. Eine weitere Möglichkeit der Lärmreduzierung wäre Flüsterasphalt, sagte Lohse. Allerdings habe man noch keine Erkenntnisse darüber, wie frostbeständig das Material sei. Einige Städte hätten Versuche mit Flüsterasphalt gestartet. Kassel wolle die Erfahrungen dieser Kommunen abwarten.

Der SPD-Ortsverein Wehlheiden hatte in seinem Wahlprogramm kürzlich Tempo 30 auf Hauptstraßen ab 21.30 Uhr in die Diskussion gebracht. Weil die Ampeln ab diesem Zeitpunkt meistens ausgeschaltet seien, sieht Ortsvorsteher Norbert Sprafke darin einen diskussionswürdigen Punkt. Er betonte jedoch, dass der Vorschlag keineswegs einer Beschlusslage der Gesamtpartei entspreche. Oberbürgermeister Bertram Hilgen hatte Sprafkes Vorstoß als Einzelmeinung des SPD-Ortsvereins gekennzeichnet.

Die CDU-Fraktion spricht sich in einer Pressemitteilung gegen Tempo 30 auf Hauptstraßen aus. Offenbar wenig wert seien die halbherzigen Dementis von OB Bertram Hilgen in der kürzlich angestoßenen Debatte, sagt CDU-Fraktionschef Dr. Norbert Wett.

Durch die Forderung von SPD-Geschäftsführer Norbert Sprafke nach Tempolimits auf Hauptverkehrsstraßen werde deutlich, dass „kalkuliert der Wähler getäuscht werden“ solle, meint er.

Wesentlich effektiver sei es, die Straßen in einen guten Zustand zu versetzen, um Risse in der Fahrbahnoberfläche oder abgesenkte Kanaldeckel als Hauptverursacher für Lärm auszuschalten, sagt der verkehrspolitische Sprecher Dominique Kalb.

Vernünftige Ampelschaltungen seien überdies ein weiterer Schritt für einen besseren Verkehrsfluss und damit zur Vermeidung von Lärm. (bea)

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