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Café Nenninger in Kassel wird verkauft: Lokalpatrioten haben Nachfolger

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Von: Ulrike Pflüger-Scherb

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Übergabe im laufenden Geschäft: (von links) Klaus und Verena Nenninger verkaufen ihren Betrieb an Konditormeister Carsten Lehmann. Der übernimmt den Betrieb am 1. Januar 2023.
Übergabe im laufenden Geschäft: (von links) Klaus und Verena Nenninger verkaufen ihren Betrieb an Konditormeister Carsten Lehmann. Der übernimmt den Betrieb am 1. Januar 2023. © Dieter Schachtschneider

Klaus und Verena Nenninger übergeben das Café Nenninger in Kassel, das die Familie in drei Generationen führte, ab Januar 2023 an Konditormeister Carsten Lehmann.

Kassel – Der 76-jährige Klaus Nenninger hält nichts davon, die eigenen Kinder zu irgendetwas zu drängen. Und so hat er auch nicht seine drei Töchter und seinen Sohn dazu überredet, das Café Nenninger in vierter Generation zu übernehmen. „So etwas klappt nicht. Das muss einer mit viel Leidenschaft wollen.“ Solch einen jungen Mann gibt es jetzt. Vor drei Jahren hat Konditormeister Carsten Lehmann aus Staufenberg Verena und Klaus Nenninger angeschrieben. Er teilte ihnen mit, dass er großes Interesse daran habe, ihren Betrieb in Kassel zu übernehmen.

„Das war ein netter Brief“, erinnert sich Verena Nenninger. Wenn Corona nicht dazwischen gekommen wäre, dann hätten sich die Nenningers und Lehmann wohl schon früher geeinigt. Nachdem Lehmann die Kasseler Sparkasse und den Vermieter der Nenningers von sich überzeugen konnte, ist es bald soweit: Am 1. Januar 2023 übernimmt der 28-Jährige das Café am Friedrichsplatz, die Filiale im Dez, die Backstube sowie die 30 Mitarbeiter. Auch der Name Nenninger bleibt erhalten.

Café Nenninger in Kassel: frische und hochwertige Produkte

Das Café Nenninger sei etwas ganz Besonderes in Kassel, sagt Lehmann. Früher war er hier mit seinen Eltern zu Gast. Die wollen ihn übrigens auch bei seiner Selbstständigkeit unterstützen, so der 28-Jährige. Nenninger stehe für frische und hochwertige Produkte. Baumkuchen, erlesene Pralinen in der Herkules-Schatzkiste und die Brüder-Grimm-Märchentorte gehören zu den Vorzeigeprodukten des Handwerksbetriebs.

„Wir fühlen uns schon als Lokalpatrioten“, sagt Verena Nenninger. „Deshalb wollen wir das, was wir erarbeitet haben, nur in gute Hände geben“, so die 60-Jährige. Ihrem Mann und ihr sei es wichtig gewesen, den Betrieb nicht an eine Industriebäckerei zu verkaufen. Heutzutage sei es ja nicht leicht, einen Nachfolger im Handwerk zu finden. Bei der Übergabe seien sie und Lehmann sehr gut von der Handwerkskammer unterstützt worden, betont Verena Nenninger. Auf die Tradition der Familie Nenninger setzt auch Lehmann.

Siegfried Nenninger, der Großvater von Klaus Nenninger, hatte das Geschäft 1900 in der Wilhelmshöher Allee gegründet, 1935 übernahmen Sohn Willi und Ehefrau Thea den Laden in der Hohenzollernstraße. 1960 erfolgte dann der Umzug in die Garde-du-Corps-Straße, wo Klaus Nenninger 16 Jahre später die Leitung übernahm. Seit 2002 befindet sich das Café am Friedrichsplatz.

Kassel: Neuer Besitzer kann sich weitere vegane Produkte im Café Nenninger vorstellen

Will Lehmann, der bei der Bäckerei Apel in Heiligenrode seine Ausbildung gemacht und seitdem in verschiedenen Bäckereien, Konditoreien und Restaurants gearbeitet hat, auch etwas ändern? Er müsse erst mal alles kennenlernen, sagt der 28-Jährige. Er könne sich aber durchaus vorstellen, künftig weitere vegane Produkte ins Sortiment aufzunehmen. Eine Weiterentwicklung sei immer wichtig, weiß Klaus Nenninger. Er habe die Rezepte seines Großvaters und Vaters auch zeitgemäß weiterentwickelt. Ganz früher sei im Speckkuchen zum Beispiel nur fetter Speck gewesen. Den habe er durch mageren Speck ersetzt.

Den Betrieb abzugeben, stelle einerseits eine Erleichterung dar, falle ihnen anderseits aber auch schwer, sagen Verena und Klaus Nenninger. Künftig wollen die beiden viel Zeit in ihrem Garten in Fuldabrück verbringen und viel Sport (Skilaufen und Kanu) treiben. Wird er zu Hause auch mal einen Kuchen backen? „Auf keinen Fall“, sagt Klaus Nenninger. „Wir wissen ja, wo wir hingehen können“, fügt seine Frau hinzu. (use)

Vor einigen Monaten eröffnete in Kassel ein neues Café: Der Start des Lokals „Immer so“ war pandemiebedingt mehrmals verschoben worden.

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