Lokführern stinkt's: Zugführer klagen über Hygienemängel in Toiletten

Behelfsklo: Am Bahnhof in Hofgeismar-Hümme steht die mobile Toilette gleich neben dem Fahrradunterstand. Foto:  privat/nh

Kassel/Wolfhagen/Zierenberg. Es stinkt zum Himmel. Das sagen Fahrer der Regiotram über die Behelfsklos an den Haltestellen in Hofgeismar-Hümme, Zierenberg und Wolfhagen.

Anders als in Kassel, wo es an den KVG-Haltestellen feste Toiletten mit fließendem Wasser gebe, müssten sie an den Bahnstrecken mit übel riechenden und hygienisch völlig unzureichenden Provisorien Vorlieb nehmen. Für die Behelfsklos, die von etwa 30 Fahrern der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG), der Hessischen Landesbahn (HLB) und der Deutschen Bahn (DB) genutzt werden, ist die Bahn AG zuständig.

Die Mängelliste ist lang: Es gebe kein fließendes Wasser und keine Möglichkeit, sich die Hände zu waschen, klagen die Fahrer. Das Wasser in den Behältern sei oft faulig und stinke. Bakterien würden so möglicherweise an Fahrgäste und Kollegen weitergegeben. In den Fahrertoiletten der KVG stehe seit den Zeiten der Schweinegrippe dagegen sogar ein Händedesinfektionsmittel zur Verfügung. Die Behelfsklos der Bahn ließen sich teilweise nicht richtig verschließen und könnten deshalb von Fremden benutzt werden. „Jeder kann da rein“, sagt einer. Aus Angst vor möglichen Repressalien will er anonym bleiben.

In Wolfhagen müssten sich die Fahrer den Klo-Schlüssel zudem aus einem als Pausenraum dienenden Container holen und bei Dunkelheit ein Kabel anschließen, um Licht zu machen. In Zierenberg stehe das Klo-Häuschen ständig offen, es werde auch von Rowdys umgekippt. Licht und Heizung funktionierten nicht. In Hümme komme die räumliche Nähe des Behelfsklos zum Bahnhof hinzu, die Umstehenden bekämen jedes Geräusch mit, was äußerst unangenehm sei. Früher hätten die Fahrer die Toilette im Schrankenwärterhäuschen nutzen können. Seitdem es keinen Schränkerwärter mehr gebe, sei ihnen diese Möglichkeit verwehrt.

Die KVG sieht sich nicht in der Pflicht. Betriebratsvorsitzender Ralf Salzmann, seit einem Jahr im Amt, sagt: „Uns liegt keine Beschwerde vor.“ Die Toiletten seien vor einigen Jahren Thema gewesen, seitdem nicht mehr.Die Fahrer halten dagegen, man habe den Betriebsrat mehrfach auf das Problem angesprochen, aber stets die Antwort erhalten, die Bahn sei zuständig. „Das Thema wird völlig ignoriert.“ Was den Fahrern aufstößt ist, dass sie seit dem Start der Regiotram vor vier Jahren ständig vertröstet werden.

Die Bahn kennt das Problem nur zu gut, wie ein Bahnsprecher in Frankfurt bestätigt. „Es zeichnen sich für alle drei Bahnhöfe Lösungen ab“, sagt er auf Anfrage. In Wolfhagen werde die Bahn ein Privathaus anmieten. Möglicherweise würden die Räume dort innerhalb der nächsten 14 Tage zur Verfügung stehen. In Hümme werde es eine bauliche Lösung geben. Für Zierenberg gebe es ebenfalls eine Lösung. Wie diese aussieht und wann sie umgesetzt werden soll, wollte der Bahnsprecher allerdings nicht sagen.

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