Auch ein Ort für documenta 15?

Kulturdenkmal in Kassel: Neue Fläche für Kultur und Gastronomie in alter Industriehalle

Hat Potenzial: Klaus Pauksch in der zentralen Halle mit gläserner Front. Der Komplex besteht aus sechs Hallen, die teilweise mehrere Ebenen haben.
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Hat Potenzial: Klaus Pauksch in der zentralen Halle mit gläserner Front. Der Komplex besteht aus sechs Hallen, die teilweise mehrere Ebenen haben.

Unscheinbar und in Vergessenheit geraten sind die alten Industriehallen an der Lilienthalstraße in Kassel - jetzt sollen sie zu einem neuen Ort für Kultur und Gastronomie werden.

Kassel – Für Klaus Pauksch (64) ist es eine Herzensangelegenheit. Er möchte die alten Industriehallen an der Lilienthalstraße zwischen Bettenhausen und Waldau zu einem Anziehungspunkt machen. Er will die bislang unscheinbaren Gebäude aus ihrem Dornröschenschlaf erwecken und den Kasselern zugänglich machen. Auch die documenta 15 könnte möglicherweise in die alten Industriegebäude einziehen.

Aufmerksam geworden ist Pauksch auf die Hallen, die zuletzt von den Unternehmen Alstom und General Electric genutzt wurden, eher zufällig. „Eigentlich habe ich Anfang des Jahres eine Möglichkeit gesucht, Möbel auszustellen“, sagt Pauksch, der in Kassel und Göttingen zusammen mit Rolf S. Taher Gastronomieprojekte entwickelt hat – unter anderem das Brauhaus Wolpertinger (heute Sudhaus), das Mr. Jones und das Casa Columbiana.

Obwohl sich Pauksch 2014 aus der Gastronomie zurückgezogen hat, reizt es ihn jetzt noch mal, die Organisation für ein Projekt zu übernehmen. Selbst Hand anlegen will er zwar nicht, aber eben dafür sorgen, dass Kultur, Gastronomie und Startups in den denkmalgeschützten Hallen zusammenkommen. „Ich könnte jetzt auch einfach in den Ruhestand gehen, aber als ich die Hallen gesehen habe, musste ich einfach zugreifen“, sagt Pauksch.

Unscheinbar: Kaum jemand hat die alten Industriegebäude bislang im Blick gehabt. Sie liegen etwas nach hinten versetzt zwischen Lilienthalstraße und dem Wahlebach in Bettenhausen.

2002 haben Pauksch und Taher während der documenta 11 einen Szenetreff an der Hafenstraße geschaffen – unweit des damaligen documenta-Standortes in der ehemaligen Binding-Brauerei. Daran erinnern sich viele Kasseler heute noch oft zurück. Für 2022 denkt die documenta erneut über Standorte im Kasseler Osten nach, was bislang eher selten der Fall war.

Eigentümer der Hallen ist die Kasseler Nibler Gruppe. Pauksch hat die 1500 Quadratmeter großen Innenflächen angemietet und will sie untervermieten. „Zu bezahlbaren Mieten“, sagt er. Auch ein 2000 Quadratmeter großer Außenbereich könnte genutzt werden. Als Vorbild führt Pauksch die Spinnerei in Leipzig an. Unter dem Motto „From cotton to culture“ sind dort unter anderem Galerien und Werkstätten, aber auch Freizeit und Gastronomieangebote in die ehemaligen Fabrikhallen eingezogen.

Standort der alten Industriehalle in Kassel-Bettenahusen.

„Der alte Industriecharme macht diese Gebäude zu etwas Besonderem“, sagt Pauksch. So stellt er es sich auch in Kassel vor. „Ich sehe hier schon die Leute tanzen“, sagt Pauksch, als er von der Empore in einer der sechs Hallen auf die untere Ebene schaut. Neben einem Club oder Kulturangeboten könnte er sich aber auch kleine Gastronomieangebote vorstellen – ähnlich einem Foodmarkt. Ein weiteres Verwaltungsgebäude hat Pauksch sich ebenfalls gesichert – vielleicht könnte man dort Übernachtungsmöglichkeiten schaffen.

Einige Interessenten für die historischen Hallen gibt es schon. Unter anderem waren auch schon Mitarbeiter von Kassel Marketing, Veranstalter und Gastronomen vor Ort. „Alle waren begeistert“, sagt Pauksch. Für ihn also eine Bestätigung, seinen Ruhestand noch ein wenig hinauszuzögern. Weitere Infos gibt es unter halleneun.com. (Kathrin Meyer)

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