Lotse durch den Alltag

Studenten aus Kassel haben einen Wegweiser für Flüchtlinge entwickelt

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Orientierung für Flüchtlinge: Der Webdesigner und Student Christoph Weinreich (von links), Hilla Zavelberg-Simon (Caritas), Germanistik-Dozent Dr. Andreas Gebhardt sowie die eritreischen Flüchtlinge Gebrihiwel Shishai und Abraham Kidane probierten die App vor der Online-Schaltung im Science Park aus. Nicht auf dem Bild ist Linda Dippel, Tutorin der Studentengruppe.

Kassel. Behördensprache ist oft kompliziert - vor allem, wenn man neu in Deutschland ist. Eine Internetseite von Kasseler Studenten soll Flüchtlingen die Orientierung erleichtern.

Für Flüchtlinge, die erst vor einigen Monaten in Kassel angekommen sind und ihre ersten Gehversuche in der deutschen Sprache machen, sind Begriffe der Behördensprache wie „Erstaufnahmeeinrichtung“ oder „Aufenthaltserlaubnis“ kaum verständlich. Sie reden untereinander von „Camp“ und „Blauem Pass“. Und wenn sie krank werden, kann es passieren, dass sie an einem Mittwochnachmittag verblüfft und ratlos vor der geschlossenen Praxis eines Arztes stehen.

Das sind nur zwei Beispiele für die Hürden, denen sich Flüchtlinge anfangs gegenübersehen. Germanistik-Studenten der Universität Kassel haben nun in Zusammenarbeit mit der Caritas eine Internetseite für Flüchtlinge entwickelt, die diesen in einfacher Sprache die Orientierung in Kassel erleichtern soll. Die App ist in Zusammenarbeit mit dem Migrationsdienst der Caritas, die die meisten Flüchtlinge in der Fuldastadt betreut, und UniKasselTransfer entstanden. Sie ist besonders für den Aufruf per Smartphone geeignet und als Frage- und Antwort-Spiel aufgebaut. Die Flüchtlinge erhalten schnelle Auskünfte zur Wohnungssuche, zum Bus- und Tramverkehr, Asylverfahren oder Arbeitssuche. Die Seite Asyl-kassel.de ist gerade online geschaltet worden und enthält viele Links zu Stadtplänen und informativen Seiten von Einrichtungen und Behörden, die Asylsuchenden bei der Eingliederung helfen.

„Das war eine große Herausforderung. Es war wichtig die Perspektive zu wechseln und herauszufinden, was die wesentlichen Fragen von Geflüchteten sind“, sagte der Germanistik-Dozent Dr. Andreas Gebhardt bei der Präsentation der App. Die Antworten auf diese seien häufig auf ganz verschiedenen Seiten im Internet versteckt.

Die Idee zu dem Projekt sei bereits auf dem Höhepunkt des Flüchtlingsansturms im vergangenen Jahr entstanden, berichtete Hilla Zavelberg-Simon von der Caritas. Die Germanistikstudenten informierten sich in den Flüchtlingseinrichtungen über die drängendsten Probleme und erhielten von zwei eritreeischen Asylberwerbern Unterstützung. Das Projekt gehört zum Service-Learning-Konzept der Universität: Studenten engagieren sich im Rahmen ihrer Ausbildung für die Gesellschaft.

Die Internet-Plattform soll im Wintersemester um weitere Themen, die für Flüchtlinge wichtig sind, ergänzt werden. Anregungen und Verbesserungsvorschläge sind erwünscht.

Infos und Kontakt: Dr. Andreas Gebhardt, a-gebhardt@gmx.de, Dr. Imke-Marie Badur, Service-Learning, badur@uni-kassel.de

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