Jäger aus Kassel und Umland informierten sich über den neuen Bewohner der Region

Luchs liebt großes Revier

Tappte in die Fotofalle: Luchs im Wald bei Wollrode. Foto: Forstamt Melsungen/nh

Kassel. Wenn Christian Peter Foet von seinen Begegnungen mit dem Luchs spricht, merkt man sofort, wie fasziniert er ist. Mit leuchtenden Augen erinnert er sich, wie er im Wald auf eine der Großkatzen traf und diese ihm sogar zum Auto folgte. Als Luchsbeauftragter für Nordhessen und Leiter des Forstamtes Melsungen beobachtet Foet, wie die Luchse in der Region wieder heimisch werden.

Gesichtet am Kiliansblick

In den vergangenen Jahren sind die Tiere immer wieder in Nordhessen gesichtet worden, die meisten im Grenzbereich zwischen Werra-Meißner-Kreis, Schwalm-Eder-Kreis und Kreis Kassel. Die Kasseler Jägerschaft und die Hegegemeinschaft Losse-Söhre hatten Christian Peter Foet eingeladen, um sich über den Luchs als neuen Bewohner der Wälder zu informieren. Dabei sind einige skeptisch: „Luchse sind ja ohne Frage wunderschöne Tiere“, sagt Jäger Eugen Jung. Er selbst habe bereits einen freilebenden Luchs gesichtet, ganz in der Nähe von Kassel, am Kiliansblick. „Aber ich weiß nicht, ob sie hier in die Kulturlandschaft passen“, sagt er.

Ein Luchs reißt alle drei bis vier Tage ein Reh, da fürchten Jung und einige andere Jäger, dass es deshalb bald weniger zu jagen gibt. Auf den Luchs selbst zu schießen ist nicht erlaubt, weil er unter Naturschutz steht. Christian Peter Foet kann den Jägern vorrechnen, dass sie sich zu Unrecht Sorgen machen: Das, was die Pinselohren im Gebiet des Forstamtes Melsungen an Rehen töten, ist gemessen an der großen Fläche verträglich – immer noch tötet der Straßenverkehr deutlich mehr Rehe als der Luchs. Wenn Schafe von den Luchsen gerissen werden, so werden die Besitzer dafür entschädigt.

Etwa fünf ausgewachsene Luchse leben zur Zeit im Melsunger Forstamtsbereich, jährlich kommen an die vier bis sechs Jungtiere zur Welt: Das kann Foet unter anderem aus den Ergebnissen der 30 aufgestellten Fotofallen schließen: Kameras nehmen umherstreifende Tiere per Selbstauslöser auf. Zu einer Überbevölkerung mit den Großkatzen könne es nicht kommen: Luchse brauchen große Reviere und würden weiterziehen, wenn ein Gebiet zu stark mit anderen Luchsen bevölkert ist.

Foet nimmt auch Berichte von Spaziergängern auf, die auf die Tiere getroffen sind. Dabei zeigt sich, dass die Tiere zwar für Spaziergänger ungefährlich sind, nicht aber für Hunde.

So wurde ein Hund in der Nähe von Melsungen von einem Luchs bedroht. Der Besitzer stellte sich mutig mit seinem Fahrrad zwischen die Tiere und konnte den Luchs so verjagen.

Von Irene Habich

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