Am Wochenende in Kassel

Ludwig Hofmaier aus „Bares für Rares“ über den Reiz von Flohmärkten

+
Verschiedenste Schätze aus Fernost: Mehrmals im Jahr fährt Ludwig Hofmaier nach Asien und bringt von dort immer einige antike Raritäten mit.

Kassel. Ludwig Hofmaier, bekannt aus der ZDF-Sendung „Bares für Rares“ verkauft am Wochenende auf dem Antik- und Trödelmarkt ab 10 Uhr in den Kasseler Messehallen. 

Flohmärkte ziehen die Besucher an – und das seit Jahrzehnten. Auch in Kassel kommen Tausende regelmäßig zu verschiedenen Veranstaltungen im Stadtgebiet. Der Ur-Bayer Hofmaier in seinen buntgemusterten Hemden mit den markanten Hosenträgern ist genau so, wie er sich immer als Experte im Fernsehen gibt. Einschätzungen werde nach kurzer Überlegung in seinem unverkennbaren bayrischen Dialekt getroffen. Und ist das Urteil einmal getroffen, lässt er sich davon auch nicht abbringen.

Herr Hofmaier, kann man auf einem Flohmarkt in den Zeiten von Ebay und Internethandel überhaupt noch Schnäppchen machen?

Ludwig Hofmaier: Das kann man durchaus, aber man muss ein Auge für die besonderen Sachen haben und sich ein bisschen auskennen. Oft werden nachgemachte Artikel angeboten, da muss man dann unterscheiden können. Insgesamt wird die Auswahl aber auch schlechter, weil es einfach schwierig ist, an antike Waren zu kommen.

Gibt es Unterschiede zwischen Floh-, Trödel- und Antikmärkten?

Hofmaier: Auf Flohmärkten wird eigentlich alles angeboten, bei Trödelmärkten ist die Auswahl schon etwas begrenzter, während auf Antikmärkten dann wirklich auch antike Gegenstände angeboten werden, die auch einen Wert von mehreren tausend Euro haben können.

Was macht den besonderen Reiz von Flohmärkten aus?

Hofmaier: Ich mache das jetzt seit 50 Jahren, und irgendwie ist es dann doch immer das eine Schnäppchen, das man da machen kann und das den besonderen Reiz ausmacht. Da gibt es dann vielleicht nur ein oder zwei Sachen auf dem ganzen Flohmarkt, die sich lohnen.

Haben Sie zuletzt ein besonderes Schnäppchen gefunden?

Hofmaier: Ja, erst vor ein paar Wochen habe ich dieses Bild (unser Foto), das ein Motiv des flämischen Malers Anthonis van Dyck auf Porzellan zeigt, erstanden. Das habe ich für 50 Euro angekauft, wenn das restauriert ist, dann bringt das einen vierstelligen Wert, muss man sehen.

Gibt es Gegenstände, die besonders gefragt sind?

Hofmaier:Was immer geht, sind Sportsachen. Zum Beispiel alte Trikots oder Autogrammkarten finden schnell einen Käufer. Pelzmäntel – die will keiner. Ich hab da einen von Jil Sander, der hat früher mal 7000 DM gekostet, den gebe ich für 50 Euro ab. Teppiche kauft auch keiner.

In welchen Bereichen kennen Sie sich besonders gut aus?

Hofmaier: Ich bin spezialisiert auf asiatische Kunstartikel, da kenne ich mich aus. Die Ming Dynastie fasziniert mich. Ich fahre mehrmals im Jahr nach China und bringe da immer was mit. Auch hier am Stand gibt es einige Waren, die ich auch aus Asien mitgebracht habe.

Haben Sie einen eigenen Trödelladen?

Hofmaier: Nein, ich habe keinen Laden. Die Waren hab ich alle bei mir im Keller gelagert. Aber mich kontaktieren ganz oft Leute, die mir ihre Schätze vorbeibringen. Denen sage ich dann, wie viel sie dafür verlangen können. Manche Dinge kaufe ich natürlich auch selbst an. Man muss aber auch ganz klar sagen, wenn eine Sache nichts wert ist. Auch wenn das die Besitzer manchmal traurig macht.

Wie wird man zum Trödelexperten?

Hofmaier: Man muss einfach viele Erfahrungen über die Jahre sammeln und immer wieder Märkte besuchen. Nur so kann man dann sicher erkennen, was wirklich alt ist und nicht nur künstlich alt gemacht.

Was ist für sie als Händler am wichtigsten?

Hofmaier: Für mich ist es ganz wichtig, ehrlich und korrekt gegenüber meinen Kunden zu sein. Ich sage immer, wenn jemand nicht zufrieden ist mit seinem Kauf, dann bekommt er sein Geld zurück. Aber bislang ist noch keiner der Kunden zurückgekommen.

Sie sind bekannt aus dem Fernsehen. Wie lange wollen Sie noch dabei bleiben?

Hofmaier: Ich bin Teil der Sendung, seit sie 2013 produziert wurde. Damals hieß es, ich solle am Casting teilnehmen. Aber da habe ich gesagt, sowas mache ich nicht. Und dann konnte ich ja trotzdem anfangen. Solange meine Gesundheit mitspielt, will ich die Sendung noch ein bisschen weitermachen. Genauso auf Trödelmärkte fahren. Im Moment bin ich auf mehreren Märkten im Monat.

Waren Sie schon öfter hier in Kassel?

Hofmaier: Ja, der Kasseler Markt ist für mich immer besonders und fest im Terminkalender eingeplant. Da findet sich immer das ein oder andere antike Schnäppchen und nicht nur Ramsch. Außerhalb der Messe hab ich noch nicht viel von Kassel gesehen, aber wenn Sie das sagen, sollte ich mir vielleicht mal den Herkules anschauen.

Zur Person

Ludwig Hofmaier wurde 1941 in Saal an der Donau geboren. Seit 2013 ist er im ZDF in der Sendung „Bares für Rares“ zu sehen. Seit seinem zwölften Lebensjahr begeistert sich Hofmaier für Trödel und antike Waren. Hofmaier lebt mit seiner Frau in Offenburg. Bekannt wurde er auch als Handstand-Lucki, weil er 1967 auf den Händen von Regensburg nach Rom gelaufen ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.