Publikation zeichnet Leben des Sozialdemokraten nach

Ludwig Pappenheim: Er leistete Widerstand in Nordhessen

D. Krause- Vilmar

Kassel / Guxhagen. Der Politiker und Journalist Ludwig Pappenheim (1887 -–1934) war „ein überzeugter Sozialist mit hohen moralischen Ansprüchen, ein kritischer Freigeist, der als Journalist kein Blatt vor den Mund nahm.“

Die Qualitäten, die der emeritierte Kasseler Erziehungswissenschaftler Professor Dr. Dietfrid Krause-Vilmar mit seiner Beschreibung der nordhessischen Persönlichkeit Pappenheim hervorstreicht, waren damals wie heute kostbare und riskante, ja lebensgefährliche Tugenden.

1933 ins KZ Breitenau

York-Egbert König

Die Nationalsozialisten fürchteten die rhetorische Kraft und Furchtlosigkeit des Kämpfers gegen das Hitler-Regime so sehr, dass sie ihn im Sommer 1933 im nordhessischen Konzentrationslager Breitenau und später in Neusustrum im Emsland internierten, wo er am 4. Januar 1934 ermordet wurde.

In der Gedenkstätte Breitenau der Universität Kassel, deren geistiger Vater und Begründer Krause-Vilmar ist, wird Pappenheim in der dortigen Dauerausstellung viel Raum gewidmet. Jetzt erreicht das Erinnern an ihn eine neue Qualität mit der biografischen Publikation „Ludwig Pappenheim – Sozialdemokrat – Menschenfreund“, die in der Reihe Jüdische Miniaturen des Berliner Verlags Hentrich & Hentrich erschienen ist.

Das Buch hat Krause-Vilmar als Koautor mit York-Egbert König und Ute Simon verfasst. Der Historiker und Autor König ist zudem im Stadtarchiv und im Stadtmuseum Eschwege tätig. So war für ihn die Recherche für das Buch über den gebürtigen Eschweger Pappenheim ein Heimspiel.

D. Krause- Vilmar

Ludwig Pappenheim hatte sich in den 1920er-Jahren als unabhängiger Geist und scharfzüngiger Redner erwiesen, der unbeugsam zu seiner sozialdemokratischen Überzeugung stand. Als Sohn eines jüdischen Kolonialwarenhändlers war er 1919 als Mitglied der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei in die Eschweger Stadtverordnetenversammlung gewählt worden. Er entschied sich dann dafür, seine politische Arbeit im hessischen Schmalkalden am südlichen Rand des Thüringer Walds fortzusetzen. Dort gründete er die Tageszeitung „Volksstimme“. Der unliebsame Journalist wurde 1933 von den Nazis wegen angeblicher Gotteslästerung in Schutzhaft genommen und ein Jahr später erschossen. Damit gehörte Pappenheim zu den Ersten, die nach der nationalsozialistischen Machtübernahme verhaftet und ermordet wurden. Bis zum Schluss hatte er die Hoffnung freizukommen. In einem Brief an seine Frau Frieda und die vier Kinder schrieb er am 17. Dezember 1933: „Ich hoffe, nicht so lange hier und von Euch getrennt zu bleiben.“

Die Autoren zeichnen das Leben des „aufrechten Demokraten“ nach. „Es gibt wenige Menschen, die man wie ihn mit vollem Recht als Widerstandskämpfer bezeichnen kann“, sagt Krause-Vilmar.

Von Christina Hein

Hintergrund:

Buchpräsentation am 25. Januar

Anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus stellen die Autoren York-Egbert König, Dietfrid Krause-Vilmar und Ute Simon das 89 Seiten umfassende Büchlein „Ludwig Pappenheim – Redakteur, Sozialdemokrat, Menschenfreund“ am Sonntag, 25. Januar, 11.30 Uhr, in der Gedenkstätte Breitenau, Guxhagen, vor. Unter den Gästen wird auch Ludwig Pappenheims Sohn Kurt Pappenheim sein. Das Buch ist für 9,90 Euro im Buchhandel erhältlich. ISBN: 978-3-942271-94-3.

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