Sendezeit nach dem Tatort

Lübcke-Mord: Kasseler Regisseur dreht Dokudrama fürs Erste

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Der Kasseler Neonazi Stephan Ernst (links) soll  am 1. Juni den nordhessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke ermordet haben. Mit der HNA sucht Filmemacher Raymond Ley noch Material über die Bürgerversammlung 2015 in Lohfelden, auf der Lübcke die Flüchtlingspolitik gegen Kritiker verteidigte.

Raymond Ley hat schon ein Dokudrama über den NSU gemacht, nun beschäftigt sich der Regisseur mit dem mutmaßlichen Neonazi-Mord an Walter Lübcke. Der Film wird im Ersten direkt nach dem "Tatort" laufen.

Raymond Ley weiß noch genau, wo er war, als er erfuhr, dass der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke von einem Neonazi ermordet wurde. „Ich saß im Urlaub in Italien und war wie vom Donner gerührt“, sagt der aus Kassel stammende Regisseur, der sich immer wieder mit Rechtsradikalismus befasst hat.

Es überrascht also nicht, wenn er sagt: „Mir war relativ früh klar, dass ich dazu einen Film machen will.“ Gerade hat er angefangen, für den Hessischen Rundfunk (HR) an einem Dokudrama über Lübcke und seinen mutmaßlichen Mörder Stephan Ernst zu arbeiten. Alle Informationen zu dem Projekt.

Der Film

Walter Lübcke.

Ley gilt als „Vollender des Dokudramas“, wie es 2015 hieß, als er auf dem Kasseler Dokfest den Ehrenpreis erhielt. Damals produzierte er gerade einen Mix aus Dokumentar- und Spielfilm über den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU). „Letzte Ausfahrt Gera – Acht Stunden mit Beate Zschäpe“ lief im Januar 2016 im ZDF und wurde von der Kritik sehr gelobt.

Sein neues Dokudrama soll am 1. Juni 2020 im Ersten laufen, am Sonntagabend direkt nach dem „Tatort“, genau ein Jahr nach dem Mord im Wolfhager Stadtteil Istha. Viel mehr kann Ley noch nicht sagen. Mit seinem Drehbuchautor Dirk Eisfeld hat er gerade erst begonnen.

Der 61-Jährige sprach mit Zeitzeugen und mit Journalisten, die im Fall Stephan Ernst* recherchierten: „Der Zeitplan ist eng, aber wir haben den Anspruch, etwas Neues zu erzählen.“ Auch deshalb arbeitet er für die HR-Produktion mit dem Frankfurter Journalisten Martin Steinhagen zusammen. Der dreht für den HR gerade eine Doku über den Lübcke-Mord, die zum Auftakt des Prozesses gegen Ernst laufen soll.

Der Regisseur

Stammt  aus Kassel: Regisseur Raymond Ley (61).

Für sein Dokudrama wird der Wahl-Berliner Ley, der mit der Schauspielerin und Autorin Hannah Ley verheiratet ist, immer wieder in seine Heimatstadt Kassel zurückkehren. Hier wurde er geboren, hier rief er den Filmladen mit ins Leben, wo er bei der Aufführung einer seiner Filme einst sogar auf die Leinwand schoss.

Anfang der 90er-Jahre verließ er Kassel und machte sich mit Reportagen und später Dokudramen einen Namen. So beleuchtete er etwa das ICE-Unglück von Eschede, den Luftangriff im afghanischen Kundus und die Finanzkrise. In „Lehman. Gier frisst Herz“ spielte Joachim Król einen Sparkassen-Angestellten, der Lehman-Zertifikate verkauft. Mit dem ehemaligen Frankfurter „Tatort“-Ermittler und den beiden anderen TV-Kommissaren Lisa Wagner und Axel Milberg drehte Ley auch schon „Letzte Ausfahrt Gera“. Es ist nicht ausgeschlossen, dass solche Stars nun auch im Lübcke-Film mitspielen.

Der Aufruf

Von besonderem Interesse ist für Ley die Bürgerversammlung zur Flüchtlingsunterkunft am 14. Oktober 2015 in Lohfelden, auf der Lübcke zu Kritikern sagte: „Wer diese Werte nicht vertritt, kann dieses Land jederzeit verlassen.“ Sein späterer mutmaßlicher Mörder Stephan Ernst stellte ein Video davon ins Netz. Ley sucht nun weiteres Bild- und Tonmaterial von diesem Abend. Wer Mitschnitte hat, kann sich bei der HNA-Lokalredaktion (0561/203-1431, kassel@hna.de) melden. Wir leiten das Material weiter.

*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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