Stephan Ernsts Verteidiger halten am Donnerstag ihr Plädoyer

Lübcke-Prozess: Das sind die Verteidiger, die nun das Sagen haben

Die Kölner Rechtsanwälte Mustafa Kaplan (links) und Jörg Hardies sind im Frankfurter Lübcke-Prozess die Verteidiger des Hauptangeklagten Stephan Ernst im Lübcke-Prozess am Oberlandesgericht Frankfurt.
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Halten ihr Plädoyer: Die Kölner Rechtsanwälte Mustafa Kaplan (links) und Jörg Hardies sind im Frankfurter Lübcke-Prozess die Verteidiger des Hauptangeklagten Stephan Ernst.

Der eine verteidigte einst Erdogan, die andere einen Neonazi im NSU-Prozess: Nun halten im Prozess um den Mord an dem CDU-Politiker Walter Lübcke die Verteidiger die Plädoyers. Wer sind die Anwälte?

Frankfurt – Im Prozess um den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke haben nun die Verteidiger ihren großen Auftritt. Nach dem Plädoyer der Anwälte des Hauptangeklagten Stephan Ernst am Donnerstag folgt am Dienstag die Schlussrede der Verteidiger von Markus H., ehe das Oberlandesgericht Frankfurt das Urteil fällen will. Wer sind die vier Juristen?

Ernsts Verteidiger Mustafa Kaplan liebt den großen Auftritt. Der Kölner Anwalt hat bereits den türkischen Präsidenten Recep Erdogan im Streit mit dem ZDF-Satiriker Jan Böhmermann vertreten. An Verhandlungstagen im Lübcke-Prozess ist Kaplan meist einer der Ersten im Hochsicherheitssaal 165 C. Der 52-Jährige lehnt dann in seinem perfekt sitzenden Anzug und frisch frisiert an der Wand und schaut, wer schon auf den Besucherplätzen sitzt.

In der Verhandlung selbst macht Kaplan nicht so eine gute Figur. Dabei ist er zu einer der Hauptfiguren aufgestiegen. Ursprünglich hatte ihn Ernsts damaliger Verteidiger Frank Hannig als zweiten Mann in den Prozess geholt. Nach dessen Entpflichtung sagte Kaplan jedoch sogar gegen seinen Kollegen aus. Eine konsequente Verteidigungsstrategie haben Prozessbeobachter bei ihm allerdings nicht erkennen können. Stattdessen fiel Kaplan mit verschobenen Anträgen auf, die den Vorsitzenden Richter Thomas Sagebiel oft zur Weißglut brachten.

Lübcke-Prozess: Anwalt Mustafa Kaplan könnte Sicherheitsverwahrung für Ernst verhindern

Als Jurastudent soll der Deutschtürke, der als Achtjähriger mit seinen Eltern nach Köln gekommen war, seinen Professor im Hörsaal als „Nazischwein“ beschimpft haben. Laut der „Süddeutschen Zeitung“ hatte der Hochschullehrer abschätzig über türkische Putzfrauen geredet. Kaplans Mutter arbeitete selbst als Putzfrau. Nach dem Eklat entschuldigten sich die beiden Kontrahenten beieinander.

Dass sein geständiger Mandant für den Lübcke-Mord Lebenslänglich bekommt, gilt als sicher. Eine zusätzliche Sicherungsverwahrung könnte Kaplan jedoch verhindern, wenn Ernst nicht auch wegen des Mordversuchs an dem irakischen Flüchtling Ahmed I. verurteilt wird.

Unterstützt wird Kaplan von seinem Kölner Kollegen Jörg Hardies, der Hannig ersetzte und bislang blass blieb. Zeugen befragte er mit einer derartigen Ruhe und so langen Pausen, dass Besucher auf der Tribüne einzuschlafen drohten.

Lübcke-Prozess: Nicole Schneiders/Björn Clemens verteidigt Markus H.

Einer der ersten Auftritte von Nicole Schneiders im Lübcke-Prozess war für viele Beobachter ein unwürdiges Schauspiel. Minutenlang stritt die Verteidigerin des Mitangeklagten Markus H. mit dem Vorsitzenden Richter Sagebiel, an welcher Stelle der Fernseher stehen sollte, auf dem Ernsts erstes Geständnis gezeigt wurde. In dem Scharmützel scheiterte sie ebenso wie mit Befangenheitsanträgen gegen den Senat.

Längst hat sich die 41-Jährige aus dem badischen Ettlingen jedoch Respekt verschafft. So erschütterte sie die Glaubwürdigkeit der Ex-Freundin von Markus H., die dem Vater ihrer gemeinsamen Tochter unter anderem Verantwortungslosigkeit vorwarf. So habe er dem kleinen Kind einen Tischtennisball in den Mund gesteckt. Schneiders konfrontierte die Zeugin jedoch mit einem Foto, das sie lachend zeigt, während die Tochter auf ihrem Schoß sitzt und einen Tischtennisball im Mund hat.

Lübcke-Prozess: Anwälte von Markus H. vertraten schon mehrere Neonazis vor Gericht

Schneiders und ihr Kollege Björn Clemens haben es geschafft, dass Markus H. aus der U-Haft entlassen wurde. Es könnte sein, dass der Neonazi, dem „psychische Beihilfe“ vorgeworfen wird, nur wegen eines Waffendelikts verurteilt wird. Das würde in der rechten Szene, in der sich das Juristen-Duo seit Jahrzehnten bewegt, bejubelt werden. Schneiders hat schon als Jugendliche in der Heilbronner Neonaziszene mitgemischt und war Mitglied der Kameradschaft Karlsruhe. Im NSU-Prozess verteidigte sie Ralf Wohlleben, der das Terror-Trio unterstützte.

Der Düsseldorfer Clemens war bis vor Kurzem Vorstandsmitglied der Gesellschaft für freie Publizistik (GFP), die der Verfassungsschutz für die „größte rechtsextreme Kulturvereinigung in Deutschland“ hält. In seinem Telegram-Kanal „Rechtskampf“ wollte der in Marburg ausgebildete Jurist eigentlich den Prozess kommentieren. Stattdessen postet der 53-Jährige dort Beiträge, in denen Corona als „größter Schwindel“ bezeichnet wird.

Schneiders wiederum kündigte bei Facebook an, dass sie sich schon auf ihr Plädoyer freue. Eine ihrer 1500 Abonnenten kommentierte: „Du rockst das.“

Auch der Anwalt der Familie Lübcke hat sein Plädoyer bereits gehalten - die Familie fordert lebenslange Haftstrafen für Stephan Ernst und Markus H.(Matthias Lohr)

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