Wie es in dieser Woche weitergeht

Lübcke-Prozess: Dienstag ist Tag der Nebenkläger

Plädiert am Dienstag: Holger Matt, Anwalt der Familie Lübcke.
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Plädiert am Dienstag: Holger Matt, Anwalt der Familie Lübcke.

Der Prozess um den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke wird fortgeführt. Es werden die Plädoyers der Nebenanklage erwartet.

Frankfurt am Main - Nach drei Wochen Pause wird der Prozess um den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke in dieser Woche fortgesetzt. Ende Januar soll dann das Urteil verkündet werden. Das steht im nächsten Verhandlungstag an:

Lübcke-Prozess: Dienstag werden die Nebenkläger erwartet

Für den morgigen Dienstag (12.01.2021) stehen die Plädoyers der Nebenkläger im Lübcke-Prozess auf dem Programm. Sie haben die Gelegenheit, ihre Sicht der Dinge zu schildern – und insofern auch eine Bewertung der vor Weihnachten abgeschlossenen Beweisaufnahme abzugeben. Das heißt: Morgen stehen vor allem die Anwälte Holger Matt und Alexander Hoffmann im Mittelpunkt.

Matt vertritt die Familie Walter Lübckes. Ehefrau Irmgard Braun-Lübcke und die Söhne Christoph und Jan-Hendrik verfolgten weite Teile der Verhandlung im Gerichtssaal und saßen dabei als Nebenkläger den Angeklagten Stephan Ernst und Markus H. direkt gegenüber.

Mehrfach haben sie deutlich gemacht, um was es ihnen geht: die Werte Walter Lübckes weiter zu vertreten und Antworten auf die Frage zu bekommen, was in den letzten Sekunden im Leben Walter Lübckes geschah.

Lübcke-Prozess: Anwalt der Familie wird auf Rolle von Markus H. eingehen

Matts Vortrag morgen wird nach Informationen unserer Zeitung mehrere Stunden dauern. Es ist zu erwarten, dass er darin auch ausführlich auf die Rolle von Markus H. eingeht. Denn die ist einer der Knackpunkte in dem Prozess, nachdem Ernst mittlerweile mehrfach gestanden hat, Walter Lübcke getötet zu haben.

Es gibt zwar die Aussage des Hauptangeklagten aus seinem dritten Geständnis während der Hauptverhandlung, dass Markus H. mit am Tatort gewesen sein soll, darüber hinaus aber keine eindeutigen Beweise dafür. Wie der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts in Frankfurt H.s Rolle einstuft, hat er bereits während des Prozesses angedeutet: Da wurde H. aus der Untersuchungshaft entlassen, weil das Gericht H. nicht mehr als dringend verdächtig einstufte, sich der Beihilfe zum Mord schuldig gemacht zu haben.

Lübcke-Prozess: Es wird auch ein Plädoyer von Alexander Hoffmann erwartet

Matt und die Familie Lübcke sahen das damals anders. Daran hat sich nichts geändert. Es ist damit zu rechnen, dass sie als Nebenkläger eine harte Strafe für H. fordern – für Beihilfe zum Mord an Walter Lübcke. Die könnte auch dann vorliegen, wenn Markus H. gar nicht mit am Tatort* war, sondern er den Tatentschluss bei Ernst ausgelöst oder diesen bestärkt hätte.

Neben Matt wird auch Alexander Hoffmann am Dienstag plädieren. Er ist der Rechtsbeistand des Flüchtlings Ahmed I., der ebenfalls als Nebenkläger auftritt. I. wurde vor fast genau fünf Jahren Opfer einer Messerattacke in Kassel-Lohfelden. Auch dafür soll Stephan Ernst verantwortlich sein, allerdings bestreitet er die Tat. Auch hier liegen keine eindeutigen Beweise vor.

Die Plädoyers der Verteidigung stehen danach an: Kommenden Donnerstag soll die Verteidigung von Stephan Ernst ihren Schlussvortrag halten, am Donnerstag darauf die Verteidigung von Markus H. Die Urteilsverkündung soll am 26. Januar erfolgen.

Lübcke-Prozess: Was geschah zuletzt?

Kurz vor Weihnachten hielt die Bundesanwaltschaft ihr Plädoyer. Insofern machte sie den Anfang der Reihe von Schlussvorträgen. Oberstaatsanwalt Dieter Killmer forderte für beide Taten eine lebenslange Freiheitsstrafe mit Sicherheitsverwahrung für Stephan Ernst*.

H. sei wegen Beihilfe und des unerlaubten Waffenbesitzes schuldig. Killmer forderte für ihn eine Freiheitsstrafe von neun Jahren und acht Monaten. (Florian Hagemann) *hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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