Lübcke-Prozess: Mitangeklagter Markus H. kommt aus Untersuchungshaft frei

Kommt frei: Markus H., Mitangeklagter im Mordfall Lübcke.
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Kommt frei: Markus H., Mitangeklagter im Mordfall Lübcke.

Im Prozess um den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke hat der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt den Haftbefehl gegen den Mitangeklagten Markus H. aufgehoben.

Der Mitangeklagte war am 26. Juni des vergangenen Jahres festgenommen worden und hatte sich seitdem in Untersuchungshaft befunden. Nun ist der 44-Jährige aus Kassel wieder frei; er muss allerdings weiterhin zu den Verhandlungstagen erscheinen. Die Bundesanwaltschaft kündigte an, Beschwerde gegen die Entscheidung des Senats einzulegen. 

Der Senat führte indes als Begründung an, dass H. nicht mehr dringend verdächtig sei, sich der Beihilfe zum Mord schuldig gemacht zu haben. Das habe die bisherige Hauptverhandlung ergeben, die seit Juni läuft. Auch sah der Senat keinen Grund, den Haftbefehl zu ändern und H. als Mittäter zu verdächtigen. Als solchen hatte ihn der Hauptangeklagte Stephan Ernst in seinem dritten Geständnis während des Prozesses beschrieben. H. soll demnach mit am Tatort in Wolfhagen-Istha gewesen sein. 

Allerdings stufte das Gericht Ernsts Angaben in diesem Punkt als nicht glaubhaft ein. Zudem seien seine Schilderungen diesbezüglich sehr detailarm gewesen. Außerdem hätten sich manche Aussagen von Ernst als unplausibel erwiesen und stünden nicht mit der bisherigen Beweislage in Einklang – das beträfe zum Beispiel Ernsts Einlassung zum Tatplan. 

Die Familie Lübcke nahm die Entscheidung mit Unverständnis auf. In einer Erklärung von Sprecher Dirk Metz heißt es, für die Familie sei die Entscheidung kaum zu ertragen. „Sie ist fest davon überzeugt, dass die Tat von beiden Angeklagten gemeinschaftlich geplant und gemeinschaftlich verübt worden ist.“ 

Am Tag zuvor hatte Professor Holger Matt, der Rechtsanwalt der als Nebenklägerin auftretenden Familie Lübcke, seine Position verdeutlicht und gesagt, warum H. fortan als Mittäter anzuklagen sei. Der Senat kam zu einer anderen Auffassung. Markus H. wird nun nur noch verdächtigt, sich möglicherweise eines Waffendelikts schuldig gemacht zu haben. 

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